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KomNet-Wissensdatenbank

Bestehen gesundheitliche Gefährdungen bei Arbeiten an der Elektrik von Zugtoiletten?

KomNet Dialog 4242

Stand:

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Belastungen durch Biostoffe > Gefährdungen, Belastungen (6.2)

Dialog
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Frage:

Ich arbeite im Schienenfahrzeugbau in Skandinavien und wir ueberarbeiten z.Z. Personenzüge, die ca. 6 Monaten im Fahrgastbetrieb waren. Dabei nehmen wir u.a. elektrische Verdrahtungsänderungen in den Toilettenbereichen vor, die mit Fäkalien verschmutzt sein können. Sind Schutzmassnahmen nötig und wie sieht es Hepatitis A & B aus??

Antwort:

Die Frage können wir nur aus Sicht des deutschen Arbeitsschutzrechtes beantworten bzw. grundsätzliche Hinweise geben:
Bezüglich der Anwendung deutscher Arbeitsschutzvorschriften weisen wir auf den KomNet - Dialog Nr. 2805  unserer KomNet-Dialogdatenbank hin.
Zusätzlich verweisen wir auf das Merkblatt " Gesetzliche Unfallversicherung bei Entsendung ins Ausland" [pdf; 1,3 MB] der gewerblichen Berufsgenossenschaften.

Da Fäkalien biologische Arbeitsstoffe (z.B. Bakterien, Viren, Schimmelpilze, Protozoen, Würmer) enthalten, unterliegen die in der Frage beschriebenen Tätigkeiten mit möglichem Kontakt zu Fäkalien nach deutschem Recht der Biostoffverordnung - BiostoffV .
Beim Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen zu beachtende Mindestanforderungen sind in der TRBA 500 - Allgemeine Hygienemaßnahmen: Mindestanforderungen – beschrieben.
In die vom Arbeitgeber zu erstellende Gefährdungsbeurteilung wird auch die TRBA 220 -Sicherheit und Gesundheit bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in abwassertechnischen Anlagen - einzubeziehen sein.
Eine Grundimmunisierung soll entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut,  im Hinblick auf die relevanten biologischen Arbeitsstoffe in abwassertechnischern Anlagen geprüft werden (Ziffer 6.5 TRBA 220).

Beim Umgang mit impfpräventablen biologischen Arbeitsstoffen muss der Arbeitgeber grundsätzlich eine Impfung anbieten ( ArbMewww.gesetze-im-internet.de/arbmedvv/ dVV). Hier empfiehlt sich eine Impfung gegen Hepatitis A. Vor Beginn der Verdrahtungsarbeiten sollten die Toilettenbereiche gereinigt und desinfiziert werden. 
 
Wir empfehlen die Situation auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung mit dem Arbeitgeber unter Beteiligung des Betriebsarztes und der Sicherheitsfachkraft zu erörtern. Geeignetes Forum zur Erörterung von Belangen des Arbeitsschutzes ist auch der Arbeitsschutzausschuss.