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Müssen Schutzmaßnahmen umgesetzt werden, wenn das Unterschreiten der elektromagnetischen Grenzwerte nicht immer gewährleistet ist?

KomNet Dialog 42344

Stand: 06.07.2018

Kategorie: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Nichtionisierende Strahlung > elektromagnetische Strahlung / Felder

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Frage:

In unserem Unternehmen wurden an Magnetisiereinrichtungen die Streufelder ermittelt. Dabei wurde festgestellt, dass an einer Anlage die Grenzwerte für den Expositionsbereich 1 überschritten werden. Erst bei einem Abstand von 300 mm werden die Grenzwerte eingehalten Die Anlage wird von einem Mitarbeiter bedient, der ca. 800-1000 mal/Schicht einen Magnetisierimpuls auslöst. D. h. die elektromagnetische Gefährdung ist nicht dauerhaft vorhanden, sondern nur für die Dauer der Impulse im Millisekundenbereich. Müssen jetzt ebenfalls Schutzmaßnahmen umgesetzt werden, die das Unterschreiten der Grenzwerte gewährleisten?

Antwort:

Bitte beachten Sie, dass zur Beurteilung der Gefährdungen durch elektromagnetische Felder (EMF) nicht nur die Berufsgenossenschaftliche DGUV Vorschrift 15 zu beachten ist. Seit November 2016 sind die Vorgaben der Arbeitsschutzverordnung zu elektromagnetischen Feldern (EMFV) vom Arbeitgeber einzuhalten. Die EMFV setzt die Vorgaben der europäischen Richtlinie 2013/35/EU in deutsches Recht um und legt ein anderes Bewertungskonzept als die DGUV Vorschrift 15 zugrunde.


Die in der DGUV Vorschrift 15 angegebenen Grenzwerte für den Expositionsbereich 1 gelten für eine Arbeitsschicht. Werden die Werte des Expositionsbereichs 1 überschritten, handelt es sich hierbei nach der Vorschrift um einen Bereich erhöhter Exposition. Es sind auf jeden Fall Maßnahmen zu ergreifen, um die Beschäftigten, die in diesem Bereich tätig sind, zu schützen. Dabei ist die Rangfolge der Maßnahmen zu beachten: Technische Maßnahmen, die auf eine Reduzierung der Belastung durch EMF direkt an der Quelle abzielen, sind organisatorischen sowie persönlichen Maßnahmen vorzuziehen. Ein Bereich erhöhter Exposition stellt einen kontrollierten Bereich dar. In diesem Bereich ist nur ein zeitlich begrenzter Aufenthalt der Beschäftigten zulässig. Um das Betreten Unbefugter zu vermeiden, ist dieser Bereich mit Zugangsbeschränkungen zu versehen. 


Da die EMFV wie erwähnt ein anderes Grenzwertkonzept vorsieht, ist eine erneute Beurteilung der Gefährdungen an den Arbeitsplätzen nach diesen Vorgaben notwendig. Die Technischen Regeln zur EMFV sind bislang noch nicht veröffentlicht. Der Leitfaden zur EU-Richtlinie 2013/35/EU [1], stellt aber eine gute Handlungshilfe zu diesem Thema dar und steht zum Download z. B. auf der Homepage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zu Verfügung.


[1] https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Physikalische-Faktoren-und-Arbeitsumgebung/Elektromagnetische-Felder/Regelungen-EMF.html