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Ist es zulässig, bei Überschreitung des Beurteilungsmaßstabs für Quarzstaub Atemschutz nur anzubieten oder ist dieser verpflichtend zu tragen?

KomNet Dialog 42314

Stand: 29.05.2018

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Persönliche Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

Ist es zulässig, bei Überschreitung des Beurteilungsmaßstabs für Quarzstaub Atemschutz nur anzubieten oder ist dieser verpflichtend zu tragen? Greift hier § 10 Abs. 4 GefStoffV ("beträchtliche Erhöhung der Exposition")? Müssen die Anforderungen bei "hohem Risiko" nach TRGS 910 sinngemäß angewendet werden, die bei Überschreitung der Toleranzkonzentration eine Tragepflicht einschließen, oder gilt nach wie vor Nr. 4.12.3 TRGS 559, wonach Atemschutz nur bei Vorliegen der Expositionskategorie 3 verpflichtend zu tragen ist?

Antwort:

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat einen Beurteilungsmaßstab für Quarz (A-Staub) von 50 μg/m³ am 27. Juli 2016 bekannt gegeben. Der Beurteilungsmaßstab ist bei der Gefährdungsbeurteilung und zur Kontrolle der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen und einzuhalten.

 

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach Gefahrstoffverordnung ist vor Tätigkeitsbeginn die Expositionskategorie (1,2 oder 3) entsprechend TRGS 559 festzulegen und grundsätzlich bei der Festlegung der Schutzmaßnahmen folgende Rangfolge einzuhalten:

1.    Gestaltung des Arbeitsverfahrens und Verwendung geeigneter Arbeitsmittel (Technische Maßnahmen).

2.     Durchführung kollektiver Schutzmaßnahmen an der Gefahrenquelle, wie z. B. angemessene Be- und Entlüftung.

3.     Durchführung geeigneter organisatorischer Maßnahmen, wie zum Beispiel Festlegung von Zutrittsbeschränkungen, Arbeitszeitregelungen, sowie Reinigungs- und Hygienemaßnahmen.

4.     Durchführung individueller Schutzmaßnahmen einschließlich der Anwendung persönlicher Schutzausrüstung und persönlicher Hygienemaßnahmen, wenn eine Gefährdung durch Maßnahmen nach Nummern 1 und 2 nicht verhindert werden kann.

 

Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass der Beurteilungsmaßstab zu Quarz (A-Staub) oder der Allgemeine Staubgrenzwert nicht eingehalten werden oder sind Tätigkeiten mit quarzhaltigem Staub der Expositionskategorie 2, bei denen der Stand der Technik nicht eingehalten werden kann, oder der Expositionskategorie 3 zuzuordnen, ist vom Arbeitgeber geeignete persönliche Schutzausrüstung (Atemschutzgeräte, Schutzbrillen, Schutzhandschuhe und Overalls) zur Verfügung zu stellen. Diese ist von den Beschäftigten zu tragen, solange die Gefährdung besteht.

 

Die Ziffer 4.12.2 Persönliche Schutzausrüstungen der TRGS 559 fordert, dass Atemschutz bei Überschreitung des stoffbezogenen Arbeitsplatzgrenzwert (hier inhaltlich gleichzusetzen mit dem Beurteilungsmaßstab) zur Verfügung zu stellen ist und von den Beschäftigten zu tragen ist, solange die Gefährdung besteht.

Die Ziffer 4.12.3 Abs. 1, 10 und 12 Bereitstellung und Benutzung von Atemschutzgeräten der TRGS 559 fordern, dass Atemschutzgeräte zur Verfügung gestellt und benutzt werden müssen, solange eine Gefährdung besteht.

Die TRGS 910 gilt nicht für Quarz.