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KomNet-Wissensdatenbank

Darf man einen Wasserspender, der mit CO2 betrieben wird, in einem Flur aufstellen?

KomNet Dialog 42278

Stand: 08.05.2018

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Technische Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

In unserer Verwaltung sollen 2 leitungswassergebundene Wasserspender aufgestellt werden. Die Suche nach einem geeigneten Standort hat sich als schwierig herausgestellt. Meine Frage lautet nun, ob man einen solchen Wasserspender im Flurbereich aufstellen kann. Natürlich beeinhaltet dieser Wasserspender auch das Entleeren (und Bereithalten) von CO2. In den entsprechenden Infoschriften (z.B. DGUV Regel 110-007, S. 15) ist zu lesen, dass das Aufstellen in Gängen nicht erlaubt ist. Dieses ist wahrscheinlich der TRBS 3145/TRGS745 (Pkt. 4.4.1 (1)) entnommen. Unter Absatz (2) Nr. 4 ist jedoch zu lesen, dass dieser erste Absatz nicht für Gase gilt, die "nur" Kennzeichnung in der CLP "Gase unter Druck" haben. Dieses ist bei CO2 der Fall (H280) - obwohl CO2 natürlich auch noch die Gefahr des Erstickens beeinhaltet. Können wir nun den Wasserspender im Gang (Durchgangsbreite ist trotzdem ausreichend) aufstellen? Dieser ist natürlich auch ein Rettungsweg.

Antwort:

Die DGUV Regeln sollen dem Arbeitgeber Hilfestellung bei der Umsetzung seiner Pflichten aus staatlichen Arbeitsschutzvorschriften oder Unfallverhütungsvorschriften geben. Er kann bei Beachtung der in Regeln enthaltenen Empfehlungen davon ausgehen, dass er die in Unfallverhütungsvorschriften geforderten Schutzziele erreicht. Andere Lösungen sind möglich, wenn Sicherheit und Gesundheitsschutz in gleicher Weise gewährleistet sind. Sind zur Konkretisierung staatlicher Arbeitsschutzvorschriften von den dafür eingerichteten Ausschüssen technische Regeln (z. B. die oben genannte TRBS 3145/TRGS 745) ermittelt worden, sind diese vorrangig zu beachten. (siehe auch DGUV Regel 110-007, S. 6)

Danach ist die spezielle Regelung der TRBS 3145/TRGS 745, nach der das allgemeine Verbot der Entleerung an „besonders gekennzeichneten Rettungswegen“ bei Bestehen der in Absatz 2 genannten Bedingungen nicht gilt, gegenüber dem generellen Verbot der DGUV Regel 110-007, übergeordnet.

Das heißt, bei Vorliegen der genannten Bedingungen, darf ein ortsbeweglicher Druckgasbehälter grundsätzlich auch an besonders gekennzeichneten Rettungswegen entleert werden.


Ob in Ihrem konkreten Einzelfall der Wasserspender in einem Fluchtweg aufgestellt werden kann, ist damit im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln:

Dabei sind die grundsätzlichen Anforderungen an Fluchtwege aus der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) zu berücksichtigen. Danach hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass Fluchtwege ständig freigehalten werden, damit sie jederzeit benutzbar sind und Vorkehrungen so zu treffen, dass die Beschäftigten bei Gefahr sich unverzüglich in Sicherheit bringen und schnell gerettet werden können.

Neben den örtlichen Gegebenheiten (z. B. Raum unter Erdgleiche, bleibende Fluchtwegbreite, ob mit einer erhöhten Wärmeentwicklung durch eine Heizung oder Sonnenstrahlung zu rechnen ist) ist auch das Gefahrenpotenzial des Wasserspenders (z. B. Größe der Druckgasflasche) und deren Wechselwirkungen (z. B. mögliches Auftreten einer gefährlichen Gaskonzentration) zu betrachten.

Es ist durchaus vorstellbar, dass die Gefährdungsbeurteilung zu dem Ergebnis kommt, das die Wasserspender in einem Gang, der auch ein Fluchtweg ist, aufgestellt werden können.

 

Hinweis:

Neben den arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben können sich Anforderungen aus dem Baurecht der Länder ergeben. Hierzu können und dürfen wir keine Aussage treffen. Wir empfehlen eine entsprechende Anfrage direkt an die zuständige Baubehörde zu stellen.