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KomNet-Wissensdatenbank

Verschiedene Fragen zu Bildschirmarbeitsplätzen

KomNet Dialog 42264

Stand: 19.04.2018

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Bildschirmarbeit > Rechts- und Auslegungsfragen (9.)

Dialog
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Frage:

In unserem Unternehmen sind die Bildschirmarbeitsplätze (Desk Sharing) alle mit Dockingstation, externer Tastatur, Maus und externem Monitor ausgestattet. Die Mitarbeiter verfügen alle über einen Laptop. Um bei einer möglichen Überbelegung unseren Mitarbeitern eine Arbeitsmöglichkeit zu schaffen, sollen Poolarbeitsplätze eingerichtet werden, die jeweils nur mit einer Mehrfachsteckdose ausgestattet sind. Die Mitarbeiter sollen nur kurzzeitig an den Poolarbeitsplätze mit ihren Laptops arbeiten. Allerdings werden die einzelne Poolarbeitsplätzen ggf. über mehrerer Stunden am Tag mit Laptops genutzt. Nach der ArbStättV Anhang 6.4 (2),(3) müssen Laptops eine reflexionsarme Oberfläche haben und dürfen ohne Trennung zwischen Bildschirm und externe Eingabemittel nur kurzzeitig an Arbeitsplätzen betrieben werden 1. Dürfen Laptops an den oben beschriebenen Poolarbeitsplätzen ohne externe Maus, Tastatur und/oder ext. monitor betrieben werden.? Was versteht der Gesetzgeber unter kurzzeitig? 2.Handelt sich nach der oben beschrieben Nutzung der Poolarbeitsplätze um Bildschirmarbeitsplätze?

Antwort:

Dürfen Laptops an Poolarbeitsplätzen ohne externe Maus, Tastatur und/oder ext. Monitor betrieben werden?


Die Frage ist als Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung vermutlich mit nein zu beantworten.


Eine externe Maus spielt eine andere Rolle als eine externe Tastatur. Die Tastatur eines Laptops entspricht in der Qualität etwa der einer externen Tastatur. Ihr fehlen nur die Tasten des Zehnerblocks. Und bestimmte Tasten zur Navigation sind anders platziert. Hingegen sind Laptops praktisch alle mit einem Trackpad ausgestattet, dessen Qualität, d.h. Funktionsfähigkeit, hinter der einer Maus bleibt (s. DIN EN 9241-410). Deswegen gibt es relativ wenige Benutzer von mobil eingesetzten Laptops, die ohne Maus arbeiten. D.h., wenn die "Pool"arbeitsplätze ohne Maus benutzt werden, liegt eine echte nachweisbare Funktionalitätseinschränkung vor. Dies kann sich z. B. in einer erhöhten Fehlerrate niederschlagen. Diese ist nach Empfinden des überwiegenden Teils der Benutzer so hoch, dass sie eine solche Maus nicht nur kaufen, sondern sogar an schlecht geeigneten Orten, z.B. Rednerpult, benutzen. Diesen Umstand würden wir in einer Gefährdungsbeurteilung als eine erhebliche Behinderung der Arbeitsweise einstufen.


Die Rolle einer externen Tastatur und eines Monitors ist zum Teil verknüpft. Grundsätzlich sollten die Eingabemittel und die Anzeigen voneinander unabhängig sein, damit der Benutzer seine Kopf- und Armhaltung getrennt frei wählen kann. Dass es viele Laptops gibt, die dies nicht erlauben, ist eine Designfrage und nicht mit dem Prinzip eines Geräts namens "Laptop" verbunden. Es gibt heute genügend tragbare Geräte (2 in1 genannt), bei denen der Monitor von der Tastatur getrennt ist. Daher gibt es keinen zwingenden Grund dafür, dass dieser Mangel in Kauf genommen werden muss.


Die meisten Laptops weisen gegenüber üblichen Monitoren eine stark eingeschränkte Fläche, Auflösung und auch Abbildungsqualität auf. Man kann zwar einen Teil der Probleme durch Vergrößern des Inhalts abmildern, trotzdem ist die Benutzungsqualität eingeschränkt. Man kann z. B. die Windows-Oberfläche nicht so einrichten, dass man alle Symbole ("Icons" genannt) erkennen kann. Hierbei handelt es sich um Erschwernisse der Arbeit, die auch mit höheren Fehlerraten verbunden sein können. Auch diesen Umstand würden wir in einer Gefährdungsbeurteilung als eine erhebliche Behinderung der Arbeitsweise einstufen.



Was versteht der Gesetzgeber unter kurzzeitig?


Bei den Begriffen "nicht regelmäßig" und "nur kurzzeitig" handelt es sich um unbestimmte Rechtsbegriffe. Für diese liegen uns keine allgemeingültigen Definitionen vor. Unserer Einschätzung nach, kann man "kurzzeitig" so verstehen, dass es sich bei der Nutzung eher um eine Bagatelle handelt, die bei der Gesamtbelastung des Mitarbeiters keine spürbare Rolle spielt.



Handelt es sich bei den beschriebenen Poolarbeitsplätzen um Bildschirmarbeitsplätze?


Ja, mit folgender Begründung:


Die Forderung, dass für Bildschirmgeräte für die ortsveränderliche Verwendung, die nicht regelmäßig an einem Arbeitsplatz verwendet werden, der Anhang Nummer 6 der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) nicht gilt, bestand schon vorher in § 1 Abs. 2 Nummer 4 der Bildschirmarbeitsplatzverordnung. Die Bildschirmarbeitsplatzverordnung wurde in die ArbStättV integriert.


Auf der Seite von ergo-online läßt sich zu dieser Theamtik folgendes nachlesen:


"Anforderungen der Bildschirmarbeitsverordnung


Notebooks müssen den Anforderungen der Bildschirmarbeitsverordnung genügen:

Bildschirmarbeitsverordnung

§ 1 Anwendungsbereich

(1) Diese Verordnung gilt für die Arbeit an Bildschirmgeräten.

(2) Diese Verordnung gilt nicht für die Arbeit an … 4. Bildschirmgeräten für den ortsveränderlichen Gebrauch, sofern sie nicht regelmäßig an einem Arbeitsplatz eingesetzt werden …


Da tragbare Rechner über einen Bildschirm verfügen, handelt es sich um Bildschirmgeräte im Sinne der Verordnung. Meist dürften sie allerdings unter den Ausnahmebereich „Bildschirmgeräte für den ortsveränderlichen Gebrauch“ fallen, denn dies sind sie im Allgemeinen. Zu prüfen ist dann, ob sie „regelmäßig an einem Arbeitsplatz eingesetzt werden“. Für diese Frage hat der Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik Auslegungshinweise veröffentlicht:


„Umfasst die Arbeitsplatzbeschreibung den Einsatz des ortsveränderlichen Gerätes am festen Arbeitsplatz, z.B. Laptop oder Notebook, und ist das Gerät zur Erfüllung der gestellten Aufgaben notwendig, liegt ein Bildschirmarbeitsplatz vor. Tragbare Bildschirmgeräte, die nicht den ergonomischen Forderungen insbesondere bezüglich der Tastaturausführung, der Trennung von Tastatur und Bildschirm oder der Qualität der Zeichendarstellung erfüllen, sind für die dauernde Benutzung an einem festen Arbeitsplatz nicht geeignet.“ (Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik: Bildschirmarbeitsverordnung / Auslegungshinweise zu den unbestimmten Rechtsbegriffen; August 2000, verfügbar unter Download-Area)


Damit ist klar, dass tragbare Rechner die Anforderungen der BildscharbV schon deshalb nicht erfüllen, weil es an der erforderlichen Trennung von Bildschirm und Tastatur fehlt. Der Begriff „dauernde Benutzung“ ist dabei gleichzusetzen mit „immer wiederkehrend“, wobei es auf die zeitliche Dauer der Nutzung nicht ankommt. Eine solche „dauernde“ Nutzung eines tragbaren Rechners am Arbeitsplatz darf also ohne Zusatzausstattung nicht erfolgen – dies gilt auch für Telearbeit. Lediglich wenn der tragbare Rechner nur unterwegs und seinem Sinn entsprechend mobil eingesetzt wird, etwa bei Kundenbesuchen, gelten die Anforderungen der BildscharbV nicht."


Neuere Informationen liegen uns nicht vor. Aus diesem Grund können die genannten Informationen weitergenutzt werden, auch wenn sie sich noch auf die BildscharbV beziehen.