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Müssen wir als Maschinenhersteller die RoHS-Richtlinie zusätzlich auf der Konformitätserklärung angeben, obwohl wir keine elektrischen Geräte bauen?

KomNet Dialog 42253

Stand: 12.04.2018

Kategorie: Sichere Produkte > Inverkehrbringen und Kennzeichnung > Konformitätserklärung, Einbauerklärung

Dialog
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Frage:

Hallo liebes Team, wir konstruieren und bauen Montageanlagen für die Automobilindustrie. Auf der Konformitätserklärung geben wir die Maschinenrichtlinie sowie die EMV-Richtlinie + Niederspannungsrichtlinie als zusätliche Richtlinien an. In den einzelnen Maschinen sind teilweise elektrische Geräte verbaut, welche der RoHS-Richtlinie entsprechen. Nun meine Frage: Müssen wir als Maschinenhersteller die RoHS-Richtlinie zusätzlich auf der Konformitätserklärung angeben, obwohl wir keine elektrischen Geräte bauen?

Antwort:

Es gibt Schnittstellen der RoHS-Richtlinie 2011/65/EU zur Maschinenrichtlinie 2006/42/EG

Die Maschinenrichtlinie Artikel 3, Spezielle Richtlinien sagt folgendes aus:

„Werden die in Anhang I genannten, von einer Maschine ausgehenden Gefährdungen ganz oder teilweise von anderen Gemeinschaftsrichtlinien genauer erfasst, so gilt diese Richtlinie für diese Maschine und diese Gefährdungen nicht, bzw. ab dem Beginn der Anwendung dieser anderen Richtlinien nicht mehr“

D. h. die RoHS-Richtlinie gilt für die dort aufgeführten Gefährdungen (Anhang I).

Maschinenrichtlinie Anhang I, 1.1.3. Materialien und Produkte besagt:

„Die für den Bau der Maschine eingesetzten Materialien oder die bei ihrem Betrieb verwendeten oder entstehenden Produkte dürfen nicht zur Gefährdung der Sicherheit und der Gesundheit von Personen führen. Insbesondere bei der Verwendung von Fluiden muss die Maschine so konstruiert und gebaut sein, dass sie ohne Gefährdung aufgrund von Einfüllung, Verwendung, Rückgewinnung und Beseitigung benutzt werden kann.“

 

Wenn nun an oder in der Maschine Komponenten verwendet werden, die unter die RoHS-Richtlinie fallen, hat das praktische Konsequenzen.

Von der RoHS-Richtlinie werden bestimmte Gefährdungen durch „Materialien und Produkte“ genauer als von der Maschinenrichtlinie erfasst.

Die Maschinenrichtlinie gilt für diese bestimmten Gefährdungen durch „Materialien und Produkte“ daher nicht (mehr). Es gilt die RoHS-Richtlinie für diese bestimmten Gefährdungen zusätzlich zur Maschinenrichtlinie.

Daraus folgt, dass die RoHS-Richtlinie in der Konformitätserklärung auch angegeben werden muss. Siehe MRL Anhang II, Erklärungen, Inhalt, A EG-Konformitätserklärung für eine Maschine, 4.:

Die EG-Konformitätserklärung muss folgende Angaben enthalten:

4.einen Satz, in dem ausdrücklich erklärt wird, dass die Maschine allen einschlägigen Bestimmungen dieser Richtlinie entspricht, und gegebenenfalls einen ähnlichen Satz, in dem die Übereinstimmung mit anderen Richtlinien

und/oder einschlägigen Bestimmungen, denen die Maschine entspricht, erklärt wird. Anzugeben sind die Referenzen laut Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union

Auch wenn Sie selbst die elektrischen Komponenten nicht selber herstellen, sind Sie der Hersteller der Maschine in ihrer Gesamtheit und übernehmen alle Rechte und Pflichten für das Inverkehrbringen und für die Inbetriebnahme.