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KomNet-Wissensdatenbank

Müssen Rettungs- und Brandschutzzeichen aus langnachleuchtenden Materialien bestehen?

KomNet Dialog 4224

Stand: 21.06.2006

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Beleuchtung und Kennzeichnung von Fluchtwegen

Dialog
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Frage:

Seit einiger zeit treten Probleme mit Schlderlieferanten für Fluchtwegekennzeichnung folgender Art auf: Angeblich ist durch die Änderungen in BGV A8 vorgeschrieben, Fluchtwege an denen aufgrund der Rechtsvorschriften keine Sicherheitsbeleuchtung erforderlich ist, langnachleuchtende Rettungswegzeichen gemäß DIN 67510 anzubringen. Diese Formulierung ist auch in einem Katalog eines Schilderherstellers abgedruckt. Können Sie dies betätigen oder handelt es sich da bei den Schilderherstellern um ein Missverständnis. Ich halte diese Regelung, wenn sie denn tatsächlich so anzuwenden ist entweder für unsinnig oder zumindest unvollständig. Bei nachleuchtenden Kennzeichnungen muss dann nämlich auch noch auf entsprechend angepasste Beleuchtung geachtet werden, da bei einem Lichtspektrum, welches einen zu hohen Rotanteil hat der Nachleuchteffekt stark beeinträchtigt sein kann.

Antwort:

Am 01.04.2005 ist eine den § 10 Abs. 3 der BGV A 8 betreffende Übergangsbestimmung abgelaufen (siehe dazu § 22 Abs. 2 BGV A 8). Ab diesem Zeitpunkt gilt gemäß § 10 Abs. 3 BGV A 8 folgendes:
"Ist aufgrund anderer Rechtsvorschriften eine Sicherheitsbeleuchtung nicht erforderlich, muss auf Rettungswegen die Erkennbarkeit der dort notwendigen Rettungs- und Brandschutzzeichen durch Verwendung von langnachleuchtenden Materialien auch bei Ausfall der Allgemeinbeleuchtung für eine bestimmte Zeit erhalten bleiben."

D.h., ab diesem Zeitpunkt müssen Kennzeichnungen von Fluchtwegen, Feuerlöschern und Rettungsmitteln in langnachleuchtender Ausführung erfolgen, wenn diese bei Ausfall der Beleuchtung nicht beleuchtet sind.
Hinweis: Nötige Maßnahmen des Arbeitsschutzes muss der Arbeitgeber auf der Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung treffen (§ 5 Arbeitsschutzgesetz).

Sie haben mit Ihrer Anmerkung bezüglich des Rotanteils und dessen negativen Einfluss auf die Nachleuchtwirkung recht. Dazu wird aber in den Durchführungsanweisungen zu § 10 Abs. 3 BGV A 8 folgendes ausgeführt:

"Die Erkennbarkeit der Zeichen bleibt ausreichend lang erhalten, wenn Eigenschaften und Qualität der langnachleuchtenden Materialien den Anforderungen der DIN 67510-4 "Langnachleuchtende Pigmente und Produkte; langnachleuchtende Produkte für Sicherheitsmarkierungen und -kennzeichnungen" entsprechen.
Bei Ausfall der Allgemeinbeleuchtung ist zu berücksichtigen:
Die Sicherheitsfarben Grün und Rot können bei langnachleuchtenden Produkten nicht dargestellt werden. Bei langnachleuchtenden Zeichen leuchten nur Bildzeichen und Lichtkanten. Da die Sicherheitsaussage eines Sicherheitszeichens durch die Kombination von geometrischer Form, Farbe und Bildzeichen ermöglicht wird, ist die Sicherheitsaussage bei langnachleuchtenden Produkten insoweit teilweise eingeschränkt; die Bildzeichen und die geometrische Form bleiben jedoch erkennbar; dadurch ergibt sich ein Sicherheitsgewinn gegenüber einer bei Lichtausfall nicht mehr sichtbaren Kennzeichnung.

Über die Verwendung von einzelnen langnachleuchtenden Sicherheitszeichen hinaus ist es empfehlenswert‘ insbesondere um Personen auf den vorgesehenen Rettungswegen in sichere Bereiche zu führen, Sicherheitsleitsysteme bzw. Leitmarkierungen zu verwenden (bodennahes Sicherheitsleitsystem). Siehe auch BG-Regeln "Künstliche Beleuchtung von Arbeitsplätzen und Sicherheitsleitsysteme" (BGR 131) und "Optische Sicherheitsleitsysteme" (BGR 216).
Als Lichtquelle zur Anregung der langnachleuchtenden Materialien eignen sich vorzugsweise Leuchtstofflampen oder Quecksilberdampfhochdrucklampen (z.B. in Industriehallen); nicht geeignet sind Lampen mit überwiegendem Rotanteil und Natriumdampflampen."

Stand: Mai 2006