Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Welche Zonenteilung muss bei einem Rechenhaus einer Kläranlage erfolgen, wenn eine technische Lüftung vorhanden ist, diese aber nur temperaturgesteuert ist?

KomNet Dialog 42229

Stand: 22.03.2018

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

Dialog
Favorit

Frage:

Welche Zonenteilung muss bei einem Rechenhaus (in Räumen) einer Kläranlage erfolgen, wenn eine technische Lüftung (Abluftventilator) vorhanden ist, diese aber nur temperaturgesteuert ist? Ist es zutreffend, dass eine temperaturgesteuerte Lüftung im Rechenhaus nicht als technische Lüftung angesehen werden kann, da ein Auftreten einer g.e.A. nicht erkannt wird (keine automatische Überwachung der Lüftung gem. TRBS 2152 Teil 2 Punkt 2.4.4.3 "Technische Lüftung")? Gemäß BGR 104 Beispielsammlung wäre folgende Zoneneinteilung zutreffend: Zone 1: im Gerinne, Zone 2: gR (Nr. 4.1.2.2.1 Punkt c). Ist diese Annahme korrekt?

Antwort:

Ist in umschlossenen Räumen abwassertechnischer Anlagen, hier Rechenhaus, mit dem Auftreten von gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre zu rechnen oder kann diese entstehen, ist durch geeignete und ausreichende Lüftungsmaßnahmen sicherzustellen, dass keine zündfähige Ex-Atmosphäre entstehen kann und Beschäftigte in den Räumen oder umschlossenen Anlagen nicht gefährdet werden. Art, Häufigkeit und mögliche Zeitdauer des Auftretens einer Ex-Atmosphäre ist nach § 5 BetrSichV im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach § 3 BetrSichV der Brand- und Explosionsgefahren in Verbindung mit TRBS 2152 und der BGR 104 (Jetzt DGUV Regel 113-001) zu ermitteln und in einem Explosionsschutzdokument (Teil der Gefährdungsbeurteilung) nach § 6 BetrSichV festzuschreiben. Sofern sich betriebsbedingt das Auftreten gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre nicht verhindern lässt, haben gemäß § 4 Abs. 2 BetrSichV technische Schutzmaßnahmen Vorrang vor organisatorischen, diese haben wiederum Vorrang vor personenbezogenen Schutzmaßnahmen.


Gemäß Punkt 2.4.4.3 der TRBS 2152 Teil 2 ist die Wirksamkeit der Lüftung in Abhängigkeit von der Wahrscheinlichkeit, mit der explosionsfähige Atmosphäre entstehen kann oder deren Auftreten eingeschränkt werden soll, zu überwachen. Sofern die Überwachung der Lüftung automatisch erfolgt, muss sie sich auf das Auftreten gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre selbst (z.B. durch Gaswarneinrichtungen) oder zumindest auf den zu überwachenden Luftstrom (z. B. durch Strömungswächter) beziehen. Die in der Fragestellung geschilderte temperaturgesteuerte Lüftung des Rechenhauses erfüllt nicht die Funktion einer Ex-Schutzmaßnahme im Sinne der v. g. TRBS, da betriebsbedingt -je nach Abwasserzusammensetzung- plötzlich auftretende gefährliche explosionsfähige Atmosphäre Anlage nicht erkannt wird. Daher ist im Falle eines Schadstoffzuflusses in das Rechenhaus (hier z.B. entzündliche Flüssigkeiten, Faulgase) davon auszugehen, dass sowohl im Gerinne als auch im übrigen Raum eine Ex-Atmosphäre in unterschiedlicher Dichte und Ausdehnung sowie Zeitdauer vorhanden sein kann. Daher ist die Einteilung in verschiedene Ex-Zonen im Rahmen einer standort- und anlagenspezifischen Gefährdungsermittlung erforderlich. Sofern sich im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung herausstellt, dass die in der Beispielsammlung der BGR 104 (jetzt DGUV Regel 113-001) unter Punkt 4.1.2.2.1 c) beschriebenen Rahmenbedingungen auch im vorliegenden Fall erfüllt sind, ist die Zoneneinteilung der Ex-Bereiche „Gerinne“   Zone 1, „übriger Raum“ Zone 2 im Sinne eines wirksamen Ex-Schutzes zutreffend.