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KomNet-Wissensdatenbank

Muss bei einem Fenster als zweitem Rettungsweg eine Steighilfe vorhanden sein?

KomNet Dialog 4217

Stand: 21.06.2006

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Notausgänge, Türen und Tore im Verlauf von Fluchtwegen

Dialog
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Frage:

In einer kleinen Produktionshalle wurde ein Fenster als zweiter Rettungsweg ausgewiesen (Brüstungshöhe 1.00 meter) Muss für dieses Fenster, das die Anforderungen an die Landesbauordnung erfüllt, eine Ausstiegshilfe innen und aussen vorhanden sein. Wenn ja, in welcher Verordnung o.Ä. findet man denn etwas darüber??

Antwort:

Regelungen zum zweiten Rettungsweg sind in den Bauordnungen der Länder getroffen. So heißt es z.B. unter § 17 Abs. 3 der Bauordnung NRW - BauO NRW :

Für jede Nutzungseinheit müssen in jedem Geschoss mit einem Aufenthaltsraum zwei Rettungswege vorhanden sein; die Rettungswege dürfen innerhalb eines Geschosses über einen gemeinsamen notwendigen Flur führen. Der erste Rettungsweg muss in Nutzungseinheiten, die nicht zu ebener Erde liegen, über mindestens eine notwendige Treppe führen; der zweite Rettungsweg kann eine mit Rettungsgeräten der Feuerwehr erreichbare Stelle oder eine weitere notwendige Treppe sein. 

Für die sonstigen Notausgänge, hierunter fallen Notausstiege, gelten auch die Anforderungen der Bauordnungen. So verlangt die Bauordnung NRW in § 40 Abs. 4 , dass Öffnungen in Fenstern, die als Rettungswege dienen, mindestens 0,90 m x 1,20 m groß und nicht höher als 1,20 m über der Fußbodenoberkante angeordnet sein dürfen. Dies soll ein Bemerkbarmachen der Personen im Gebäude sowie die Rettung durch die Feuerwehr sicherstellen. Weitergehende Forderungen sind nicht bekannt.

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung gemäß Arbeitsschutzgesetz müssen mögliche Gefährdungen im Verlaufe von Flucht- und Rettungswegen ermittelt und die erforderlichen Maßnahmen festgelegt werden. Hierbei kann eine im Inneren fest angebrachte Leiter das Flüchten erleichtern. Außen angebrachte Leitern sind eher kritisch zu betrachten, da evtl. die Absturzgefahren bei Benutzung überwiegen. Die Rettung aus höheren Geschossen, die nicht mehr über den notwendigen Flur / Treppenraum zu erreichen sind, obliegt der Feuerwehr gem. den Ausführungen nach § 17 Abs. 3 BauO NRW und sollte nicht durch Anbauten erschwert werden. Solche außen angebrachte Leitern würden dann denn Zweck einer Fluchtleiter oder Notleiter erfüllen, an die wiederum besondere Anforderungen (Genehmigung, Ausführung, Standfestigkeit, Prüfung, etc.) gestellt werden.

Für nähere Informationen im Einzelfall und zur Frage der Zulässigkeit empfehlen wir, sich mit der Fragestellung an die jeweils zuständige Baubehörde bzw. die für den präventiven Brandschutz zuständigen Stellen zu wenden. 

Stand: März 2006