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KomNet-Wissensdatenbank

Fragen zu Gefährdungen durch verdampftes Quecksilber sowie Behandlungs- und Dekontaminationsmaßnahmen

KomNet Dialog 4141

Stand:

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Gesundheitsschutz > Sonstige arbeitsmedizinische Fragen

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Frage:

Es geht um einen Arbeitsunfall eines niedergelassenen Arztes, dem ein großes Quecksilberthermometer (für Hitzesterilisator/Hg-Volumen etwa 3 ml) im `häuslichen Elektrobackofen im Küchenbereich` unbemerkt zerbrach. Das Thermometer war mit mehreren Lagen Alufolie umwickelt. Als der Defekt des Hg-Thermometers bemerkt wurde, war kein metallisches Quecksilber mehr im Backofen nachweisbar und die Alufolie war in weißlich-fadenförmiges Material umgewandelt (m.E. ist hier Aluminiumamalgam entstanden). Erhöhte Hg-Konzentrationen im Blut und Urin sind beim Verunfallten nachweisbar (DMPS/Dimaval) wurde/wird eingenommen. Fragen: Aufnahme von Hg-Dämpfen ist ja leider bereits erfolgt. Zusätzliche Gefährdung durch das wahrscheinlich entstandene Aluminiumamalgam? Die aus dem Backofen in den Raum ausgetretenen Quecksilberdämpfe sind bei Zimmertemperatur doch sicherlich kondensiert und sollten demnach dazu führen, dass sich im gesamten Küchenraum Hg-Mikrosphären gebildet/niedergeschlagen haben (???). Sollte der Backofen wegen Hg-Belastung entsorgt werden? Was sollte mit Wänden/dem Boden der Küche (im Wohnraum/Küche!), in der der Backofen stand, geschehen? Kann man hinreichend sicher dekontaminieren? Gibt es ggf. Produkte, mit denen Hg von glatten Böden sowie von Wänden abgebunden und entsorgt werden können (name des Produktes/wo erhältlich)? Nach unserer Kenntnis gibt es wohl ein `Absorbens`, das allerdings nur zur Beseitigung von makroskopisch sichtbaren Quecksilberkügelchen geeignet sei. Ist ggf. die komplette Sanierung des Hg-bedampften Raumes erforderlich, um Gesundheitsgefährdungen abzuwehren?

Antwort:

Wenn flüssiges Quecksilber, z.B. aus einem zerbrochenen Thermometer ausläuft, bilden sich kleine Kügelchen, die sich bei Berührung immer mehr zerteilen. Der Hauptaufnahmeweg für metallisches Quecksilber (Hg) verläuft unter normalen Bedingungen über den Atemtrakt. Die Resorption von Hg-Dämpfen über die Haut ist gering. Nur 2,6 % der insgesamt resorbierten Menge werden dermal aufgenommen, der übrige Anteil über die Lunge. Zu den Eigenschaften und Wirkungen von Hg siehe: http://www.seilnacht.com/Lexikon/80Queck.htm.

Das weit verteilte Quecksilber lässt sich zunächst mit einem sauberen Handfeger zusammenkehren und ist dann vom normalen Staub zu trennen. Ggf. die Quecksilbertropfen mit einem, durch Salzsäure angeätzten, Zinkblech aufnehmen und in einem Sammelgefäß wieder abschütteln. Das Zinkblech zur Wiederverwendung an dauerabgesaugter Stelle lagern oder mit den Quecksilberresten entsorgen. Kleinere Mengen mit handelsüblichen Quecksilberzangen aufsammeln oder mit Spezialadsorbtionsmitteln binden und entsorgen. Reste können Sie mit Aktivkohle aus der Apotheke binden. Ggf. kann Ihnen die Apotheke auch Spezialadsorbtionsmittel zur Verfügung stellen. Diese Reste in ein luftdicht verschließbares Glas füllen. Die Gläser mit den Quecksilberresten sollten sie zur kommunalen Sondermüllsammlung bringen.

Die Kleidung und alle Stoffe (Gardinen, etc.) müssen gründlich gewaschen werden. Tapeten, Bodenbelag und alle Schrankflächen ebenfalls abwaschen, dabei besonderers Augenmerk auf Fugen und Ritzen von Fliesen halten. Offene Lebensmittel (Brot, etc.) sollten entsorgt werden. Grundsätzlich ist für eine ausreichende Lüftung zu sorgen, bei Bedarf ist die Raumluft mechanisch abzusaugen.
Da das Quecksilber bei Erwärmung wieder in die Gasphase übertritt und in dieser am gefährlichsten ist, würden wir eine Entsorgung des Backofens empfehlen. Allerdings ist die Verdampfungsneigung von flüssigem Quecksilber so groß, dass in einem geschlossenen Raum über einen "längeren" Zeitraum eine gefährliche Konzentration entstehen kann.

Siehe auch die Informatione zu Quecksilber unter www.gischem.deundhttp://www.hvbg.de/d/bia/fac/stoffdb/index.html.

Weitere Hinweise zur Entsorgung von Quecksilber finden sie unter: http://userpage.chemie.fu-berlin.de/~tlehmann/sonderab/quecksilber.html

Stand: März 2006