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Ist das Befüllen eines Tankzuges oder Kesselwagens mit einer leitfähigen, leichtentzündlichen Flüssigkeit, ohne Füllrohr ein `Versprühen` im Sinne der BGR 132?

KomNet Dialog 4103

Stand: 04.03.2006

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (1.4.4)

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Frage:

Ist das Befüllen eines Tankzuges oder Kesselwagens mit einer leitfähigen, leichtentzündlichen Flüssigkeit, ohne Füllrohr (also mit einer freien Fallhöhe von ca 2,5 m), ein `Versprühen` im Sinne der BGR 132?

Antwort:

Es wird davon ausgegangen, dass sich die Frage auf Nr. 3.2.1., 2. Absatz in Verbindung mit Nr. 3.2.4.2 und Nr. 3.2.4.3 der BGR 132 (Vermeidung von Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen) bezieht.

Ziffer 3.2.1 Absatz 2 BGR 132: "Eine gefährliche Aufladung tritt besonders leicht bei Flüssigkeiten niedriger Leitfähigkeit auf. Bei Flüssigkeiten mittlerer Leitfähigkeit
ist beim Strömen durch Rohre und Filter sowie bei Rührprozessen eine gefährliche Aufladung auch noch möglich. Bei Flüssigkeiten hoher Leitfähigkeit ist mit gefährlichen Aufladungen nur bei stark ladungserzeugenden Prozessen, z. B. beim Versprühen oder wenn sie keinen Erdkontakt aufweisen, zu rechnen."

Ein Versprühen findet statt, wenn eine Flüssigkeit mit einem gewissen Vordruck bzw. Geschwindigkeit durch eine Düse strömt und sich dort feine Tröpfchen bilden. Dieser Vorgang, z.B. bei Reinigungsarbeiten, lädt die Flüssigkeiten wegen des Trennvorganges in besonderer Weise elektrostatisch auf. Danach ist das Befüllen im freien Fall kein Versprühen, auch wenn sich an der Austrittsstelle neben dem Hauptstrahl Tropfen bilden.

Für eine Befüllung von Straßentankwagen bzw. Eisenbahnkesselwagen ist bei Flüssigkeiten mit niedriger Leitfähigkeit das Tauchrohr bis auf den Grund des Tanks herabzusenken. Die Füllgeschwindigkeit ist begrenzt. Bei Flüssigkeiten mit mittlerer Leitfähigkeit wird diese Vorgehensweise empfohlen.

Daraus folgt, dass bei Flüssigkeiten mit hoher Leitfähigkeit eine Befüllung im freien Fall zulässig ist, natürlich vorausgesetzt, dass die beschriebenen weiteren Voraussetzungen vorliegen und dass die übrigen Maßnahmen, wie die Erdung, getroffen werden.