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Wieviel Toiletten werden in einem Verwaltungsgebäude mit 700 Beschäftigten und täglich 500 Besuchern gefordert?

KomNet Dialog 3984

Stand: 17.06.2011

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Toiletten

Dialog
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Frage:

In einem öffentlichen Verwaltungsgebäude mit ca. 700 Beschäftigten und 300-500 Besuchern (täglich) sollen die WC-Anlagen saniert werden. Im Rahmen dieser Sanierung soll die Anzahl der vorhandenen Herren-Toiletten aus Kostengründen reduziert werden. Vorhanden sind pro Geschoß jeweils 7 Herren-WC-Anlagen mit 2 Toiletten und 2 Urinalen und jeweils 7 Damen-WC-Anlagen mit 2 Toiletten. Das Gebäude ist 5-geschossig, so dass insgesamt 70 Toiletten und Urinale für Herren und 70 Toiletten für Damen vorhanden sind. Die Anzahl der Toiletten in den Herren-WC soll auf 1 Toilette reduziert werden, die Anzahl der Urinale und der Damen-Toiletten bleibt erhalten. Somit wären nach der Sanierung nur noch 35 Toiletten für Herren vorhanden. Die ASR 37/1 regelt die Anzahl der Toiletten und Bedürfnisstände nur bis zu einer Beschäftigtenzahl von 250 Männern bzw. 160 Frauen. Welche Regelung gilt über diese Anzahl hinaus. Wie ist die gemeinschaftliche Nutzung der Toilettenanlagen für Bedienstete und Besucher zu sehen?

Antwort:

Anforderungen an Toilettenräume findet man in der Verordnung über Arbeitsstätten – ArbStättV – vom 12.08.2004 im § 6 Abs. 2 ArbStättV. Hiernach hat der Arbeitgeber Toilettenräume bereitzustellen .... und für Männer und Frauen getrennt einzurichten oder eine getrennte Nutzung zu ermöglichen. Im Anhang zur ArbStättV wird in Nr. 4.1 Absatz 1 aufgeführt, dass Toilettenräume mit verschließbaren Zugängen, einer ausreichenden Anzahl von Toilettenbecken und Handwaschgelegenheiten zur Verfügung zu stellen sind. Sie müssen sich sowohl in der Nähe der Arbeitsplätze als auch in der Nähe von Pausen- und Bereitschaftsräumen, Wasch- und Umkleideräumen befinden. Weitere Anforderungen werden hier nicht genannt.

In der Arbeitsstättenrichtlinie ASR 37/1 "Toilettenräume  werden Anforderungen und Anzahl der Toilettenanlagen konkretisiert.
Anmerkung zu den Arbeitsstätten - Richtlinien - ASR:
Nach § 8 der ArbStättV gelten die alten Arbeitsstättenrichtlinien – ASR – weiter, bis entsprechende neue Regeln durch den Ausschuss für Arbeitsstätten erarbeitet und durch das Bundesministerium für Arbeit bekannt gemacht werden, längstens jedoch bis Dezember 2012.

Wir empfehlen hinsichtlich der Anzahl der Toiletten die Betrachtung für die gleichzeitig anwesenden Beschäftigten je Gebäude und Geschoss vorzunehmen. Diese Überlegung ist praxistauglich, da die Toiletten nach der ASR nicht weiter als 100 m vom Arbeitsplatz entfernt sein sollten und nicht in einem anderen Geschoss liegen sollen. Bei der Anzahl der Toiletten muss auch die fiktive Belegung durch die Besucher berücksichtigt werden. Die Fragen sollte der Arbeitgeber aus unserer Sicht in der nach dem Arbeitsschutzgesetz geforderten Gefährdungsbeurteilung unter Mitwirkung der Fachkraft für Arbeitssicherheit und des Betriebsarztes bewerten und klären.

Weitergehende Forderungen können sich mitunter aus den Sonderbauvorschriften (z.B. Sonderbauverordnung NRW) ergeben.

Gemeinsame Nutzung von Toiletten:
In der vor August 2004 gültigen Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) hieß es noch: "Werden mehr als 5 Arbeitnehmer beschäftigt, müssen die Toilettenräume ausschließlich den Betriebsangehörigen zur Verfügung stehen." Diese Bestimmung ist in der novellierten ArbStättV weggefallen. Vom Verordnungstext her wäre die gemeinsame Nutzung der Toilette durch Beschäftigte und Besucher also zulässig.

Sollen vorhandene Toiletten von Besuchern und Beschäftigten gemeinsam genutzt werden, muss der Arbeitgeber aus unserer Sicht in der nach dem Arbeitsschutzgesetz geforderten Gefährdungsbeurteilung prüfen, ob diese Toilette öfter geprüft und gereinigt werden muss als eine Toilette, die ausschließlich Beschäftigten zur Verfügung steht.