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KomNet-Wissensdatenbank

Welche Staub- und Lärmgrenzwerte gelten beim Umbau eines Geschäftshauses für die Nutzer des Gebäudes?

KomNet Dialog 3838

Stand: 15.01.2006

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Zulässige Belastungen > Grenzwerte

Dialog
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Frage:

Während des Umbaus eines Geschäftshauses werden einige Geschosse weiterhin genutzt. Grenzwerte für zulässige Staub und Lärmbelastung gelten nach den einschlägigen technischen Vorschriften nur für die Beschäftigten der beim Umbau beteiliten Unternehmer. Welche Vorschriften regeln z. B. die Grenzwerte für die zulässige Lärmbelastung der übrigen Bewohner/Nutzer des Hauses?

Antwort:

Lärm-Grenzwerte:

Anforderungen an den zulässigen Schalldruckpegel für Beschäftigte werden in der Arbeitsstättenverordnung-ArbStättV unter Ziffer 3.7 des Anhangs und in der Unfallverhütungsvorschrift BGV B3 Lärm gestellt.

Die Lärmbelastung für sonstige Personen ist in der Umweltgesetzgebung geregelt. Die Messung und Beurteilung der Geräuschimmissionen von gewerblichen Anlagen auf die Öffentlichkeit erfolgt, sofern für spezielle Anlagen keine andere Regelung per Gesetz oder Verordnung vorgegeben ist oder Anlagen nicht ausdrücklich vom Geltungsbereich der TA Lärm ausgeschlossen sind, entsprechend der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm).

Bei Baustellen greifen besondere Regelungen. Baustellen sind üblicherweise nicht ortsfest und wirken nur über eine begrenzte Zeit ein. Zur Beurteilung der Geräuschimmissionen von Baustellen wurde daher ein eigenes Regelwerk, die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Schutz gegen Baulärm (VVBaulärmG) herausgegeben. Als wesentlicher Unterschied im Vergleich zur TA Lärm ist zu nennen, dass die Beurteilungszeit "Nachts" nach der VVBaulärmG die Zeit von 20.00 Uhr bis 7.00 Uhr umfasst. Viele Baumaschinen unterliegen der 15. Bundes-Immissionsschutzverordnung. In Übernahme von EG-Recht schreibt sie Geräusch-Emissionsgrenzwerte vor, die von neuen Aggregaten nicht überschritten werden dürfen. (Quelle: Landesumweltamt NRW).

Stoffliche Belastung-Grenzwerte:

Zutreffend ist in der Anfrage dargestellt, dass die gesetzlichen Grenzwerte für die Staubbelastung, die in der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) als Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) definiert sind, nur für die Beschäftigten der am Umbau beteiligten Unternehmen gelten. In diesem Fall handelt es sich um Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, bei denen diese beruflich verwendet bzw. bei der beruflichen Verwendung gebildet oder freigesetzt werden. In den Technischen Regeln für Gefahrstoffe – TRGS 900 – über Arbeitsplatzgrenzwerte sind folgende Allgemeine Staubgrenzwerte festgelegt:
• 3 mg/m³ für alveolengängigen Staub (A-Staub)
• 10 mg/m³ für einatembaren Staub (E-Staub)

Der Gültigkeitsbereich der GefStoffV liegt dagegen nicht vor, wenn z.B. die Beschäftigten in Bürobereichen oder die Nutzer von Wohnbereichen den Staubfreisetzungen durch Umbauarbeiten lediglich ausgesetzt sind (Innenraum-Belastung) und es sich nicht um Tätigkeiten mit diesen Gefahrstoffen handelt. In diesen Fällen sind die gesetzlichen Grenzwerte nicht anwendbar, sodass zur Bewertung der Belastung Richt- und Orientierungswerte hinzugezogen werden müssen. Für Beschäftigte in Bereichen ohne Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, den so genannten Innenraumarbeitsplätzen, ist die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) anzuwenden, insbesondere Ziff. 3.6 im Anhang zur ArbStättV - Lüftung, dass „(…) in umschlossenen Arbeitsräumen (…) ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft vorhanden sein (…)“ muss.

Richtwerte für belastete Innenraumluft werden von der Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) des Umweltbundesamtes (UBA) herausgegeben und im Internet unter http://www.umweltbundesamt.de/gesundheit/innenraumhygiene/richtwerte-irluft.htm veröffentlicht. Nach dem 1996 vorgelegten Konzept zur Bewertung der Innenraum-Luftqualität werden für jeden einzelnen Stoff zwei Richtwerte (RW I und RW I) festgelegt:
• Richtwert II (RW II) ist ein wirkungsbezogener gesundheitlich begründeter Wert, der sich auf die gegenwärtigen toxikologischen und epidemiologischen Kenntnisse zur Wirkungsschwelle eines Stoffes unter Einführung von Unsicherheitsfaktoren stützt. Er stellt die Konzentration eines Stoffes dar, bei deren Erreichen bzw. Überschreiten unverzüglich Handlungsbedarf besteht, da diese Konzentration geeignet ist, insbesondere für empfindliche Personen bei Daueraufenthalt in den Räumen eine gesundheitliche Gefährdung darzustellen.
• Richtwert I (RW I) ist die Konzentration eines Stoffes in der Innenraumluft, bei der im Rahmen einer Einzelstoffbetrachtung nach gegenwärtigem Erkenntnisstand auch bei lebenslanger Exposition keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Eine Überschreitung ist mit einer über das übliche Maß hinausgehenden, hygienisch unerwünschten Belastung verbunden. Aus Vorsorgegründen besteht auch im Konzentrationsbereich zwischen RW I und RW II Handlungsbedarf. Der RW I wird vom RW II durch Einführen eines zusätzlichen Faktors (in der Regel 10) abgeleitet.

Zur gesundheitlichen Bewertung des luftgetragenen Staubes in Innenräumen, dem so genannten Schwebstaub, sind insbesondere die Staubpartikel mit weniger als 10 µm Durchmesser – die Fraktion PM10 - zu berücksichtigen. Auch wenn keine toxischen Bestandteile in Inertstäuben vorkommen, sind zumindest die atemwegsreizenden Wirkungen zu berücksichtigen. Für diese Staubfraktion ist für den Umwelt- bzw. Außenluftbereich in der Technischen Anleitung Luft von 2002 – TA-Luft – folgender Immissionsgrenzwert festgelegt:
• Jahresmittelwert als Immissionswert für Langzeiteinwirkung: 150 µg/m³ (0,150 mg/m³)
Für die Staubbelastung in Innenräumen wurden allerdings bisher keine offiziellen Richtwerte festgelegt. Im Report des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG) „Innenraumarbeitsplätze – Vorgehensempfehlung für Ermittlungen zum Arbeitsumfeld“, 2. Auflage vom Juli 2005, der im Internet unter http://www.dguv.de/ifa/de/pub/rep/pdf/rep05/innenraum/gesamt.pdf herunter geladen werden kann, werden auf S. 224 praktische Vorgehensweisen zur Bewertung von Staubbelastungen in Innenräumen entsprechend der VDI-Richtlinie 2310 Bl. 19 „Maximale Immissionskonzentrationen für Schwebstaub“ empfohlen. Die dort definierten Maximalen Immissionskonzentrationen (MIK) gelten für einatembare Schwebstaubgemische in der Außenluft, wobei folgende MIK-Werte angegeben werden:
• 1-h-Mittelwert: 500 µg/m³ an bis zu drei aufeinander folgenden Stunden
• 24-h-Mittelwert: 250 µg/m³
• einmalige Exposition: 150 µg/m³ an aufeinander folgenden Tagen
• Jahresmittelwert: 75 µg/m³

Zur Beurteilung möglicher atemwegsreizender Wirkungen des Schwebstaubes kann für den Innenraum somit der MIK-Wert von 150 µg/m³ als Richtwert herangezogen werden. Schwebstaubkonzentrationen in Innenräumen oberhalb dieses Richtwertes können zu einer Beeinträchtigung der Atemluftqualität und damit auch zu gesundheitlichen Beschwerden oder Beeinträchtigungen der Beschäftigten führen und sind daher durch wirksame Schutzmaßnahmen zu verhindern oder zu vermindern. Ein vergleichbarer Anspruch auf Verminderung der Belastung ist auch für Nutzer von Wohnbereichen aus den allgemeinen Schutzrechten, wie z.B. dem Landesimmissionsschutzgesetz oder dem BGB, ableitbar.