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Wie sind Befähigungsnachweise gemäß DGUV Regel 100-500 zu führen bzw. wer darf sie abnehmen?

KomNet Dialog 3825

Stand: 13.07.2017

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Sichere Benutzung der Arbeitsmittel

Dialog
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Frage:

Bzgl. der Bediener von Hubarbeitsbühnen gibt es Festlegungen in den berufsgenossenschaftlichen Vorschriften, die aus der DGUV Regel 100-500 hervorgehen. Hier heißt es u.a. "Mit der selbstständigen Bedienung von Hebebühnen dürfen nur Personen beschäftigt werden, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, in der Bedienung der Hebebühne unterwiesen sind und ihre Befähigung hierzu gegenüber dem Unternehmer nachgewiesen haben." Für mich stellt sich die Frage, ob es vertretbar wäre, wenn wir z.B. der Fachkraft für Arbeitssicherheit eine solche Schulung zukommen lassen würden und sie als Multiplikator diese Schulungsinhalte an die eigentlichen Anwender weitergibt. Wäre dieses Konzept vorschriftenkonform ? Muss ein Befähigungsnachweis in Form einer Prüfung abgelegt werden ? Wenn ja, hat der Betriebsrat hier mit zu entscheiden ?

Antwort:

Maßgeblich ist die Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV.

Grundsätzlich muss allerdings unterschieden werden zwischen der Befähigung zum Bedienen von Arbeitsmitteln (Hubarbeitsbühne) nach DGUV Regel 100-500 und der befähigten Person zur Prüfung von Arbeitsmitteln nach § 14 BetrSichV. Nachfolgende Antworten und Empfehlungen beziehen sich nur auf den erstgenannten Fall.
 
1 ) Erstellung einer Betriebsanweisung - der Arbeitgeber hat eine Betriebsanweisung für das Bedienen von Maschinen (Hubarbeitsbühnen) in geeigneter Form zu erstellen und den Beschäftigten verständlich zu übermitteln (Unterweisungsgespräch), diese Unterweisung kann ohne weiteres von einer Fachkraft für Arbeitssicherheit durchgeführt werden.

2) Bestellung einer geeigneten Person (mit Befähigung) für das Führen von Hubarbeitsbühnen. Dies ist ein schriftliches Dokument, welches in der Personalakte hinterlegt sein muss. Der Beschäftigte muss mit dieser Bestellung einverstanden sein. Da der Unternehmer personelle Anforderungen verändert bzw. stellt, muss der Betriebsrat (BR) beteiligt werden.

3 ) Organisation einer geeigneten Unterweisung
Die Unterweisung von Beschäftigten, die zur geeigneten Person zum Führen von Hubarbeitsbühnen ernannt werden, muss mindestens von einem Sachkundigen durchgeführt werden.
Sachkundiger ist, wer auf Grund seiner fachlichen Ausbildung und Erfahrung ausreichende Kenntnisse auf dem Gebiet der Maschinen hat und mit den einschlägigen staatlichen Arbeitsschutzvorschriften, Unfallverhütungsvorschriften und allgemein anerkannten Regeln der Technik (z.B. BG-Regeln, DIN-Normen, VDE Bestimmunen, technische Regeln anderer Mitgliedstaaten der Europäischen Union oder anderer Vertragsstaaten des Abkommens über den Europäischen
Wirtschaftsraum) soweit vertraut ist, dass er den arbeitssicheren Zustand und die Gefahren aus dem Betrieb heraus beurteilen kann.

Dies kann dann erreicht werden, wenn die Fachkraft für Arbeitssicherheit an einem Sachkundelehrgang für Hubarbeitsbühnen teilnimmt und die Kenntnisse der Maschinen beim Hersteller erwirbt. Anschließend überarbeitet die Fachkraft für Arbeitssicherheit diese Kenntnisse und wendet sie auf Basis der einschlägigen UVV Vorschriften im Betrieb an (Besonderheiten des Betriebes z.B: Verkehrswege).
Aus diesen gewonnenen Erkenntnissen kann nun die "spezielle" Unterweisung abgeleitet werden. Die spezielle Unterweisung sollte einen theoretischen Teil mit abschließender schriftlicher Wissensprüfung und einen ausführlichen Praxisteil beinhalten.
Diese Vorgehensweise ist für den Unternehmer von Vorteil, er benötigt nur einen Lehrgang für die Fachkraft für Arbeitssicherheit und alle anderen notwendigen Unterweisungen innerhalb des Betriebes werden in einer speziellen Unterweisung unter den obigen Vorraussetzungen durchgeführt. Es ist zu empfehlen, dass in der Gefährdungsbeurteilung das Ergebnis der Nachweisführung schriftlich dokumentiert wird. Eine einfache Multiplikation der Sachkunde durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit ist in diesem Falle nicht sinnvoll.