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Sind Abgase von Biodiesel (Rapsöl) genauso gefährlich wie die Abgase von mineralischen Dieselölen?

KomNet Dialog 3764

Stand:

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Gefährdungen > Gefährdungen durch Rauche und Motoremissionen

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Frage:

Ein Busunternehmen möchte seine Busmotoren nach einem Umbau mit Rapsöl und Dieselöl betreiben. Im Winter mit 50% Rapsöl und 50% Dieselöl, im Sommer 80% Rapsöl und 20% Dieselöl. Frage : Sind die dabei anfallenden Auspuffgase genauso gefährlich für die Arbeitnehmer wie die DME ?

Antwort:

Ja, die Abgase sind grundsätzlich genauso gefährlich. Der Vorteil des nachwachsenden Rohstoffes und einer guten biologischen Abbaubarkeit von Rapsöl ebenso wie Rapsölmethylester (RME) sind nicht im gleichen Maße auf den Arbeitsschutz übertragbar.

Dieselmotoremissionen (DME) stellen ein außerordentlich komplexes Substanzgemisch dar, das überwiegend aus gasförmigen, aber auch aus partikelförmigen Anteilen besteht. Die Situation am Arbeitsplatz wird durch die hohe Variationsbreite der emittierten Verbindungen in Abhängigkeit vom eingesetzten Motortyp, vorn Kraftstoff und insbesondere von der Betriebsweise (Lastzustand, Wartungszustand, Fahrverhalten u.a.) noch komplexer. Aufgrund der bisher gewonnenen Erkenntnisse ist für die kanzerogene Wirkung von Dieselmotoremissionen der Partikelanteil von entscheidender Bedeutung. Daneben können gasförmige Bestandteile, wie z. B. Formaldehyd, Stickoxide, Kohlenmonoxid auftreten. Als Dieselmotoremissionen (DME) im Sinne der Technischen Regel Gefahrstoffe „Dieselmotoremissionen“ (TRGS 554) gilt nur der elementare Kohlenstoff aus dem Partikelanteil des gesamten Abgasgemisches eines Dieselmotors, der sich bei Anwendung des anerkannten Analysenverfahrens 2 nach BGI 505-44 ergibt.

Die bei der Verbrennung alternativer Kraftstoffe, wie z.B. Rapsöl oder Rapsölmethylester (RME) entstehenden Emissionen sind in gleicher Weise zu bewerten wie andere Diesel-Kraftstoffe. Bei der Verbrennung im Motor treten bei Rapsölmethylester im Vergleich zu Diesel mineralischer Herkunft niedrigere Emissionen bei organischem Kohlenstoff, CO und Aromaten und leicht erhöhte Emissionen bei Aldehyden und Benzol auf. Allerdings erleichtert der schwefelarme Kraftstoff den Einsatz von Oxidationskatalysatoren.

In der Vergangenheit gab es vergleichende Meßergebnisse aus Partikelemissionen, deren Differenz teilweise auf die unterschiedlichen Schwefelgehalte der Treibstoffe und somit auf Sulfate im Abgas zurückzuführen war.

Die TRGS 554 beschreibt in Ziffer 4.2.3 zutreffend:

(1) Dieselmotoren dürfen nur mit Kraftstoffen betrieben werden, die den Anforderungen der DIN EN 590 "Dieselkraftstoff, Mindestanforderungen und Prüfverfahren" [2] entsprechen.
(2) Anzustreben ist ein möglichst geringer Schwefelgehalt.
(3) Die Verwendung von Alternativkraftstoffen, wie z. B. Rapsölmethylester (RME), die nicht alle Anforderungen der DIN EN 590 erfüllen, ist zulässig, wenn dadurch keine Erhöhung der Dieselmotoremissionen verursacht wird.

In Arbeitsbereichen galt bisher ein Grenzwert von 0,1 mg/m³. Nach Änderung der Gefahrstoffverordnung ist der Grenzwert gemäß TRGS 554, Ziffer 3.2 ersatzlos entfallen, ebenso die Anzeigepflicht nach TRGS 554, Ziffer 4.1.6. Weitere Regelungen der TRGS 554, z.B. zum Minimierungsgebot, haben jedoch weiterhin Bestand.

Zur Gefährdungsbeurteilung von DME in Busbetrieben verweisen wir auf einen Artikel von V. Wilms, in „Gefahrstoffe-Reinhaltung der Luft 60 (2000) Nr. 3/2000, Seiten 113 ff.

Stand: Juli 2006