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Wie sind Arbeitsplätze hinsichtlich des Explosionsschutzes zu beurteilen, an denen Fahrzeuge instandgesetzt werden, die fehlbetankt wurden?

KomNet Dialog 3693

Stand: 04.08.2008

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Gefährdungen durch Arbeitsmittel und Einrichtungen

Dialog
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Frage:

In unseren Werkstätten werden hin und wieder Fahrzeuge mit sogenannten Fehlbetankungen (z.B. Vergaserkraftstoff statt Diesel) repariert. Dazu wird der Vergaserkraftstoff mit einem Absauggerät abgesaugt. Das Problem hierbei ist, dass in dem Arbeitsbereichbereich der Werkstatt der entsprechende Absaugvorgang `riechbar` ist. Wie kann ich feststellen: 1. ob eine Gefahr für eine Explosion besteht? 2. ob hier ein Explosionsschutzdokument erforderlich ist? 3. wenn 2. = ja woher bekomme ich meine Zoneneinteilung? PS: der Absaugvorgang ist per Betriebsanweisung geregelt und die Mitarbeiter sind unterwiesen. Das Gerät an sich ist dafür gemacht, es verfügt über Erdungsleitungen und Klemmen usw. und wird pneumatisch betrieben. In der Werkstatt gibt es nur eine natürliche Belüftung.

Antwort:

Nach Ziffer 5.21 der BGR 157 "Fahrzeuginstandhaltung" fallen brennbare Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt < 55 °C  z.B. beim Wechsel von Ottokraftstofffiltern, Ottokraftstoffpumpen, beim Prüfen von Einspritzdüsen für Ottokraftstoff und bei Reinigungsarbeiten und evtl. bei Umpumparbeiten von Fehlbetankungen an. Die aus brennbaren Flüssigkeiten der Einstufung Hoch- und Leichtentzündlich entstehenden Dämpfe bilden mit der Raumluft explosionsfähige Gemische, die eventuell besondere Lüftungsmaßnahmen erforderlich machen; siehe auch Abschnitt 5.27.1.

Schutzmaßnahmen werden z.B. in Ziffer 5.22 ff. und insbesondere für Arbeiten am Kraftstoffsystem in Ziffer 5.25 genannt. Wobei die wichtigsten Schutzmaßnahmen die Vermeidung von jeglicher Zündquelle (Rauchen, heiße Oberflächen) und die Absaugen der explosionsfähigen Atmosphäre sind.

Auf Grund der Tätigkeiten ist eine gefährlich explosionsfähige Atmosphäre möglich und somit sind die Bestimmungen zum Explosionsschutz zu erfüllen. Grundsätzlich lässt sich die Pflicht Explosionsgefahren zu ermitteln und zu beurteilen aus der Gefahrstoffverordnung (§§ 7, 12 und Anhang III Nr. 1 GefStoffV) ableiten. Konkretisiert u.a. für den Einsatz von Arbeitsmitteln wird dies in § 3 Abs. 2 der Betriebssicherheitsverordnung. Gemäß § 5 Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung, muss der Arbeitgeber die ermittelten explosionsgefährdeten Bereiche in Zonen entsprechend Anhang 3 BetrSichV einteilen. Dies wird dann im Explosionsschutzdokument (§ 6 BetrSichV) und im Ex-Zonenplan dokumentiert. An die äußere Form des Explosionsschutzdokumentes stellt die Betriebssicherheitsverordnung keine speziellen Anforderungen. Nähere Erläuterungen dazu bieten die Leitlinien zur Betriebssicherheitsverordnung an. 

Pauschale Zonenfestlegungen können in Unkenntnis der örtlichen Gegebenheiten (Lüftungsanlage, Absaugung) und der Tätigkeit von hier aus nicht gemacht werden. Wir empfehlen  insbesondere die BGR 104 "Explosionsschutzregeln" (Ex-Rl) und die BGR 132 "statische Elektrizität" heranzuziehen .

Grundsätzlich können Sie sich auch externe Hilfe zur Beurteilung und Beratung einkaufen. Anbieter finden Sie z.B. hier.  Es gibt im Internet eine Reihe von Hilfen über die Erstellung eines Explosionsschutzdokumentes:

- http://www.dwa-nb102-hessen.de/downloads/ka114exschutz.pdf (Hier wird besonders auf Benzin eingegangen)
- http://www.vbg.de/glaskeramik/arbhilf/form/35_exschutz.pdf 
- http://www.stahl.de/fileadmin/Dateien/explosionsschutz/pdf/grundlagen_d.pdf (Grundlagen)


Hinsichtlich ihrer Ausführung, dass entsprechende Absaugvorgänge "riechbar" sind, dürfte bei einer ordnungsgemäßen Absauganlage und entsprechend sorgfältiger Arbeitsvorbereitung nicht auftreten. Hiervon ausgenommen sind übliche Emissionsspitzen, die beim An- und Abschließen an die Kraftstoffanlage unvermeidlich sind. Dies könnte evtl. durch eine technische Lüftung in der Halle vermindert werden. Weiterhin verweisen wir auf die Erfordernis über die regelmäßige Prüfung von Absauganlagen im Sinne der §§ 3 (3) und 10 (2) BetrSichV. Hier werden evtl. vorhandene Fehler entdeckt.