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Stellt die über 12-stündige Anwesenheit von Entwicklungsingenieuren bei Maschinenversuchen einen Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz dar?

KomNet Dialog 3630

Stand:

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Arbeitszeitberatung und -gestaltung > zulässige Arbeitszeitdauer

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Frage:

In unserem Unternehmen werden Maschinenversuche gefahren, die zum Teil länger als zwölf Stunden dauern. Während des kompletten Versuches ist es betrieblich notwendig, dass die Entwicklungsingenieure vor Ort sind, um die Versuche zu betreuen. Kann einer der direkten Vorgesetzten im Falle eines Arbeits-/Wegeunfalles der Ingenieure haftbar gemacht werden, weil das Arbeitszeitgesetz verletzt wird?

Antwort:

Die sonst zulässige tägliche Arbeitszeit von maximal 10 Stunden (bei einer 5 Tage Woche) darf in außergewöhnlichen Fällen aufgrund § 14 Abs. 2 Arbeitszeitgesetz (AZG) überschritten werden, wenn `eine verhältnismäßig geringe Zahl von Arbeitnehmern vorübergehend mit Arbeiten beschäftigt wird, deren Nichterledigung das Ergebnis der Arbeiten gefährden oder einen unverhältnismäßigen Schaden zur Folge haben würde`. 

Für den beschriebenen Fall heißt das, dass die Arbeiten nicht regelmäßig und in größerem Rahmen anfallen dürfen. Ist dies der Fall, müssen sie anders organisiert werden (z.B. in 2 Schichten).

Unabhängig davon muss der Arbeitgeber (oder die von ihm bevollmächtigten Vorgesetzten) darauf achten, dass die Gesundheit und die Arbeitskraft des einzelnen Arbeitnehmers nicht geschädigt werden. Es ist also Pflicht des Arbeitgebers, sich danach zu erkundigen, ob sich der Arbeitnehmer in solchen Situationen überfordert fühlt und er muss gegebenenfalls für Abhilfe zu sorgen, z.B. dadurch, dass er den Arbeitnehmer  von der Arbeit freistellt oder von einem Taxi heimfahren läßt, wenn sich dieser übermüdet fühlt.

Zusätzlich möchten wir auf den § 16 Abs.2 AZG hinweisen, wonach der Arbeitgeber Arbeitszeiten von mehr als 8 Stunden aufzuzeichnen hat. Dies sollte zur späteren Nachvollziehbarkeit am besten mit einer kurzen Begründung geschehen.