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KomNet-Wissensdatenbank

Können durch eine Renovierung sämtliche durch einen Brand entstandene Schadstoffe aus Mauerwerk und Möbeln entfernt werden? Gibt es Grenzwerte?

KomNet Dialog 3610

Stand:

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Sanierungsarbeiten, Entsorgung

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Frage:

Unsere Kindertagesstätte ist ausgebrannt (Schwelbrand). Für die Übergangszeit (ca. 3 Monate) sind die Gruppen in einem anderen Gebäude untergebracht. Hierzu habe ich eine Frage: Können durch die Renovierung, sämtliche durch den Brand entstandene Schadstoffe, aus dem Mauerwerk und den Möbeln entfernt werden? Gibt es Richtlinien, Grenzwerte, usw.?

Antwort:

Für die Beschäftigten der Sanierungsfirma gelten u.a. die Vorschriften der Gefahrstoffverordnung mit den Technischen Regeln für Gefahrstoffe. Dort sind z.B. Luftgrenzwerte am Arbeitsplatz in der TRGS 900aufgeführt. Informationen zur Anwendbarkeit der Grenzwerte auf Grund der am 01.01.2005 novelliert in Kraft getretenen Gefahrstoffverordnung bietet der Dialog 3074 der KomNet-Datenbank an.
Für Arbeiten im kontaminierten Bereich wurde die TRGS 524 veröffentlicht. Bezüglich der Anwendbarkeit der TRGS ist hier die Bekanntmachung des BMWA vom 31. Dezember 2004 zu beachten.

Für die Sanierung nach Brandschäden ist von dem Verband der Sachversicherer ein Richtlinie VDS 2357 Brandschadenssanierung erarbeitet worden. Sofern die Vorgaben der Richtlinie und z.B. der TRGS 524 oder BGR 128 beachtet werden, dürfte die Sanierung sicher und ordnungsgemäß durchgeführt werden, so dass Belastungen auf ein unbedenkliches Maß  minimiert werden. Im Zweifelsfall sollten Sie sich den erforderlichen Arbeits- oder Sicherheitsplan nach den vorstehenden Regelwerken zeigen lassen.

Für Personen, die diesen Raum nutzen ist kein aktiver Umgang mit den gefährlichen Stoffen gegeben, sondern ein passives ausgesetzt sein. Für die Belastung der Innenraumluft sind die gesetzlichen Vorgaben des Arbeitsstättenrechts mit der Arbeitstättenverordnung (ArbStättV vom 12.08.2004) heranzuziehen.
Nach Ziffer 3.6 Abs. 1 des Anhangs der ArbStättV mit „Anforderungen an Arbeitsstätten nach § 3 Abs. 1“ muss der Arbeitgeber – Unternehmer oder Geschäftsführer, Behörden- oder Dienststellenleiter etc. - sicherstellen, dass „(…) in umschlossenen Arbeitsräumen (…) unter Berücksichtigung der Arbeitsverfahren, der körperlichen Beanspruchung und der Anzahl der Beschäftigten sowie der sonstigen anwesenden Personen ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft vorhanden (…)“ ist.

Werden daher durch Raumluftmessungen bestimmte Konzentrationen eines Stoffes ermittelt, ohne dass eine berufliche Tätigkeit mit diesem Gefahrstoff vorliegt, sind zur Bewertung die toxikologisch für Innenräume abgeleiteten und gesundheitsbezogenen Innenraumrichtwerte heranzuziehen, die von der Kommission Innenraumlufthygiene (IRK) unter http://www.umweltbundesamt.de/gesundheit/innenraumhygiene/richtwerte-irluft.htm veröffentlicht wurden.

Als Kriterium für die Innenraumluftqualität kann auch der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den "Air Quality Guidelines for Europe - 2nd Edition" – Internet: http://www.euro.who.int/document/e71922.pdf  - festgelegte, gesundheitsbasierte Leit- und Toleranzwert herangezogen werden.