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Welche Gestaltungsaufgaben sind mit der Einführung von Vertrauensarbeitszeit verbunden?

KomNet Dialog 3593

Stand:

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Arbeitszeitberatung und -gestaltung > Arbeitszeitgestaltung

Dialog
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Frage:

Vertrauensarbeitszeit Welche Gestaltungsaufgaben (an Betriebe und Beschäftigte bzw. auch an den Betriebsrat) sind mit der Einführung von Vertrauensarbeitszeit verbunden? Gibt es Untersuchungen hierzu, die sich kritisch damit auseinandersetzen und im Zusammenhang mit der Einführung von Vertrauensarbeitszeit eine Entscheidungshilfe bieten? Welche Unternehmen in NRW praktizieren das Modell Vertrauensarbeitszeit und könnten als Ansprechpartner weiterhelfen? Wie berät das Land bei der Einführung von Vertrauensarbeitszeit?

Antwort:

Erfolgreiche Vertrauensarbeitszeitmodelle basieren in der Regel auf betrieblichen Individuallösungen, die idealerweise gemeinsam mit externer Beratung entwickelt werden. Wichtig ist, dass auch bei der Einführung von hoch flexiblen Arbeitszeiten die gesetzlichen Regelungen, beispielsweise zur Höchstarbeitszeit und Aufzeichnungsfrist von Überstunden (Arbeitszeitgesetz - ArbZG §§ 3, 16 (2)) eingehalten werden müssen.

Als Erfolgkriterien bei der Gestaltung seien im Wesentlichen folgende Punkte festzuhalten:
- eine angemessene Personaldecke
- eine gelebte Vertrauenskultur
- die Beteiligung der Beschäftigten bei der Einführung des Modells von Anfang an
- kompetente Beschäftigte, die in der Lage sind, ihre Arbeitszeit selbst zu planen und zu organisieren
- kooperative Führungskräfte, die bereit sind, bisherige Kontrollfunktionen aufzugeben (Führen durch Ziele)
- Regelungen zum Umgang mit Überlastungssituationen
- Betriebsvereinbarung zur Vertrauensarbeitszeit

Im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat Prospektiv – Gesellschaft für betriebliche Zukunftsgestaltungen mbh in Kooperation mit der Technologieberatungsstelle beim DGB Landesbezirk NRW e.V. das Projekt „Vertrauensarbeitszeit – neue Entwicklung gesellschaftlicher Arbeitsstrukturen“ durchgeführt.
Ziel des Projektes war es, praktizierte Modelle der Vertrauensarbeitszeit hinsichtlich ihrer Verbreitung und der Voraussetzung für eine gesundheitsgerechte und leistungsfördernde Gestaltung zu analysieren. Als Ergebnis wurden Empfehlungen für die Gestaltung von leistungsfördernder und gesundheitsgerechter Vertrauensarbeitszeit abgeleitet und in Handlungshilfen für die betriebliche Praxis überführt.

Die vollständige Literaturangabe lautet:
Wingen, S., Hohmann, T., Bensch, U. & Plum, W. (2004). Vertrauensarbeitszeit – Neue Entwicklung gesellschaftlicher Arbeitszeitstrukturen. Abschlussbericht des gleichnamigen Projektes im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Die gesamte Publikation (Forschungsbericht Fb 1027 aus 2004) kann kostenfrei von den Internetseiten der Bundesanstalt für Arbeitschutz heruntergeladen werden.

Das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAIS NRW) unterstützt vor allem kleine und mittelständische Unternehmen in NRW bei der Einführung flexibler Arbeitszeiten und dementsprechend auch bei der Einführung von Vertrauensarbeitszeit.