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Gibt es Möglichkeiten das Betreten von umzäunten und abgesicherten Gefahrenbereichen unter bestimmten Voraussetzungen zu erlauben ?

KomNet Dialog 3576

Stand:

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Reparaturen, Wartungsarbeiten

Dialog
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Frage:

Bei der Fehlersuche, Wartung und Instandhaltung unserer Papiermaschinen, Rollmaschinen, Stetigförderanlagen für Zellstoffe und Papierrollen ist die Überwindung trennender Schutzeinrichtungen (Umzäunungen) aus Sicht der Produktion manchmal unumgänglich. Begründung: - Fehlersuche ist nur an der laufenden Anlage möglich (z.B. Funktionsprüfung von Endschaltern, Sensoren etc.) - Das Ausschalten der Maschine für eine kleinere Wartung bzw. Störung verursacht Ausschuß und hohe Stillstandskosten. Ein Betretensverbot der Gefahrenbereiche ist in Betriebsanweisungen festgehalten. Dieses wird aus obigen Gründen umgangen. Gibt es Möglichkeiten das Betreten von umzäunten und abgesicherten Gefahrenbereichen unter bestimmten Voraussetzungen zu erlauben ?

Antwort:

Die für die Beschaffenheitsanforderungen der Maschine anzuwendenden Rechtsgrundlagen (hier 9. Verordnung zum Geräte- und Produktsicheheitsgesetz - 9. GPSGV i.V.m. der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG) sehen Möglichkeiten vor, dass bei bestimmten Betriebsarten (hier z.B. Wartung und Instandhaltung) mit Hilfe eines zwingend notwendigen Betriebsartenwahlschalters ein Betrieb der Maschine bei aufgehobener Schutzwirkung der Schutzeinrichtungen unter festgelegten Bedingungen möglich ist. Die hierbei zu beachtenden Bedingungen sind bereits bei der Konstruktion / Änderung der Maschine im Rahmen der Gefahrenanalyse zu betrachten. Nähere Angaben werden hierzu in Ziffer 1.2.5 Anhang I der Richtlinie 2006/42/EG gemacht.

Für bereits im Betrieb befindliche Maschinen ohne einen Betriebsartenwahlschalter ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV durch den Arbeitgeber zu gewährleisten, dass Arbeitnehmer bei allen Tätigkeiten an den Maschinen ausreichend geschützt sind. Es wird empfohlen im jeweiligen Einzelfall, ggf. unter Beteiligung des Herstellers der Maschine, diesbezüglich geeignete technische Maßnahmen vorzusehen.

Sollten technische Maßnahmen nicht möglich sein, so dass sich bei bestimmte Arbeiten an der Maschine (Arbeitsmittel) besondere Gefährdungen für die Sicherheit oder die Gesundheit der Arbeitnehmer ergeben, hat der Arbeitgeber alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, so dass die Arbeiten nur von beauftragten und geeignet unterwiesenen Arbeitnehmern vorgenommen werden. Diese Vorgehensweise sollte dokumentiert und ausreichend begründet sein (vergl. die Ziffern 2.3 - 2.7 des Anhangs 2 der BetrSichV). Möglicherweise entstehender Ausschuss bei der Produktion und hohe Stillstandskosten sind hier als Begründung nicht ausreichend.
Auf die BGI 577 - Instandhalter und die BGI 5003 - Maschinen der Zerspanung http://publikationen.dguv.de weisen wir hin.