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KomNet-Wissensdatenbank

Gibt es eine einfache Methode, um einen explosionsgeschützten Elektromotor in explosionsgefährlicher Atmosphäre weiterzubetreiben?

KomNet Dialog 3565

Stand:

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

Dialog
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Frage:

Weiterbetrieb eines für 380 V gewickelten und beschilderten explosionsgeschützten Motors an 400 V Netzspannung in gefährlicher explosiver Atmosphäre. Als Voraussetzung für den technisch und formal ordnungsgemäßen Weiterbetrieb eines für 380 V gewickelten und beschilderten explosionsgeschützten Motors an 400 V Netzspannung ist die Einschaltung des Herstellers erforderlich. In der Regel ist nur diesem anhand von dort aus der Typprüfung vorhandenen Unterlagen eine Entscheidung möglich. Bei Motoren der Zündschutzart Druckfeste Kapselung „d“ genügt die rechnerische Überprüfung der Grenzen für die Oberflächentemperatur, die häufig auch bei 400 V ± 10 % eingehalten werden können. Der Hersteller bestätigt das positive Ergebnis seiner Prüfung in Form einer Herstellererklärung. Bei Motoren der Zündschutzart Erhöhte Sicherheit „e“ ist eine umfangreiche rechnerische Überprüfung und eine Neufestlegung der Werte IA/IN und tE erforderlich. Die amtlich anerkannte befähigte Person des Herstellers stellt eine Prüfbescheinigung als Ergänzung zur EG-Baumusterprüfbescheinigung aus usw. In beiden Fällen liefert der Hersteller neue Leistungsschilder, die fachgerecht – also ohne Beeinträchtigung von IP-Schutzart und Zündschutzart – am Motor anzubringen sind. Quelle: Die Ex-Zeitschrift 36/2004 (ISSN 0176-2419) Gibt es noch andere, einfachere Möglichkeiten, dieses Problem zu handhaben? Einsatzfälle: Motore von Rührwerken auf Faulbehältern (Kläranlagen), die schon jahrelang und ohne Beanstandungen so betrieben werden.

Antwort:

In Fachkreisen wird das Problem schon lange diskutiert - ohne zu einem einheitlichen Ergebnis zu gelangen. 

Das genaue Geschehen in einem Elektromotor bei einer Erhöhung der Spannung um 5 % von 380 V auf 400 V ist recht komplexer Natur. Im Grundsatz steigt die mögliche Stromaufnahme und damit auch die Leistung. Damit kann sich der Motor im Betrieb etwas stärker erwärmen. Er befindet sich deshalb außerhalb des Auslegungszustandes. Über die genauen Konsequenzen kann nur der Hersteller nach einer eingehenden Prüfung Aussagen treffen, weil dieser den Motor ausgelegt hat.

Abgesehen von einem kompletten Austausch gegen neue Motoren sind hier keine andere Möglichkeiten bekannt, dieses Problem zu behandeln.
Im Einzelfall sollten Sie diesbezüglich Kontakt mit einer notifizierten Stelle "für Geräte und Schutzsysteme für explosionsgefährdete Bereiche" aufnehmen. Eine aktuelle Liste dieser Einrichtungen können Sie den Internetseiten der BAUA entnehmen (http://www.baua.de/prax/geraete/notifiz.htm).

Anmerkung: Auch jahrelang ohne Beanstandungen betriebene Motoren mit erhöhter Spannung können in bestimmten ggf. seltenen Betriebsweisen (z.B. bei maximaler Belastung, selten vorhandenen Umgebungsbedingungen, ...) den Motor zu einer gefährlichen Zündquelle werden lassen.
Wie bereits in Ihrer Frage erwähnt, ist die Problematik ausführlich in der Ex-Zeitschrift 36/2004 (http://www.stahl.de/de/ex/exzeitschrift.htm) beschrieben,

Hier sind auch Auswirkungen der Spannungserhöhung in bestimmten Betriebsweisen betrachtet.

Stand: August 2005