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KomNet-Wissensdatenbank

Einrichtung eines Arbeitsplatzes für Gehörlose

KomNet Dialog 341

Stand:

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Besondere Zielgruppen > Leistungsgewandelte Arbeitnehmer/innen, (Schwer-) Behinderung

Dialog
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Frage:

Es wird beabsichtigt einen gewerblichen Arbeitsplatz für eine gehörlose Mitarbeiterin einzurichten. Und zwar handelt es sich dabei um eine gehörlose Auszubildende für den Buchbinderberuf, die u.a. auch den Bereich `Industrielle Weiterverarbeitung` innerhalb Ihrer Ausbildung durchlaufen muß. Der Bereich `Industrielle Weiterverarbeitung` ist gekennzeichnet durch: - Lärm ca. 85 dB(A); - Flurförderzeugverkehr; - selbstanlaufende Druckmaschinen mit optischer und akustischer Anlaufwarneinrichtung. Folgende Haupttätigkeiten sind dabei auszuführen: - Maschine einrichten; - Störungsbeseitigung; - etc. Gibt es strukturierte Anleitungen, Handlungshilfen etc. was bei Behinderten und spezielle für Gehörlose zu beachten ist? Sind Arbeitplätze mit Flurförderfahrzeug-Verkehr (und umfangreichem Werksverkehr) generell für Gehörlose eher ungeeignet? Gibt es besondere Unterweisungsanforderungen für die Behinderten und die anderen Mitarbeiter? Wie sieht es mit Alarmierung in Gefahrensituationen aus (z.B. Brand) Gibt es spezifische Arbeitsschutzvorschriften für die Arbeitsplatzgestaltung von Behinderten, insbesondere Gehörlose?

Antwort:

Generell gibt es bei entsprechender Einarbeitung und Betreuung keine grundsätzlichen Bedenken für die industrielle Bearbeitung wie Maschinen einrichten und Störungsbeseitigung im Zusammenhang mit Gehörlosen.

Handlungsanleitungen müssten für den speziell zu besetzenden Arbeitsplatz vom Arbeitgeber erarbeitet und zur Unterweisung dienen.

Arbeitsplätze mit Flurförderfahrzeugverkehr sind als kritisch zubeurteilen. Hierzu sollte die konkrete Arbeitsumgebung eingesehen werden, die unregelmäßige Frequenz der kreuzenden Fahrzeuge ist zu bedenken.

Hier gilt es, die Fahrer der Werksfahrzeuge und weitere Mitarbeiter im gleichen Maße zu unterweisen und auf die Thematik "Gehörlose" zu schulen.

Nachdem es sich vermutlich nicht um einen isolierten Arbeitsplatz handelt, ist bei Gefahrsituationen mit der Hilfe der Mitarbeiter zu rechnen. Entsprechende Vorschriften sind vom Mitarbeiter einzuhalten, visuelle Hilfen können nützlich sein.

Nachdem es sich um einen "schwerbehinderten" Arbeitnehmer handelt, ist die entsprechende Hauptfürsorgestelle (technische Beratung) dazu veranlasst, einen entsprechenden Arbeitsplatz gemäß den Vorschriften, einzurichten bzw. (um)zugestalten. Arbeitsschutzvorschriften sollte der entsprechende Berater zur Verfügung haben und auf den speziellen Arbeitsplatz anwenden. Unter Einbindung der Sicherheitsfachkraft, des Betriebsarztes und ggf. der Hauptfürsorgestelle muss vor Ort eine spezifische Lösung erarbeitet werden.

Stand: 10.04.2001