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KomNet-Wissensdatenbank

Wie effektiv schätzen Sie die Ausarbeitung von Pandemieplänen in Bezug auf eine mögliche Influenzaapandemie mit virulenten Virenstämmen ein?

KomNet Dialog 3401

Stand:

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Gesundheitsschutz > Epidemie, Pandemie

Dialog
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Frage:

Der Presse war kürzlich zu entnehmen, dass die Wissenschaftler bei einer zukünftigen gleichzeitigen Infektion eines (mehrerer) Menschen mit aviärer Influenza H5N1 und mit Influenza A oder B ein Genaustausch beider Virenstämme befürchten. Solch ein, vermutlich viel virulenterer, Virenstamm könnte die Keimzelle einer neuen Influenzapandemie sein. Gerade in jüngster Zeit wird das Szenario einer weltweiten Epidemie mit mehreren Millionen Toten befürchtet. Durch den Genaustausch müssten die neuen „Killerviren“ Gene und Oberflächenantigene der bisher bekannten Influenza A oder B enthalten. Eine Teilimmunität auf den neu entstandenen Virusstamm wäre hierdurch plausibel. Fragen: Lässt sich hieraus eine viel weiter gefasste Impfindikation mit aktuell üblichen Grippeimpfstoffen ableiten? Wie ist der Nutzen im Vergleich zur Bevorratung von antiviralen Substanzen wie Zanamvir zu beurteilen? Wie effektiv schätzen Sie die Ausarbeitung von „Pandemieplänen“ für z.B. größere Betriebe ein? (Willkürliche Beispiele: Tragen von Mundschutz oder gar Atemmasken, Verbot von unnötigen persönlichen Kontaktaufnahmen zugunsten von Telefonaten und Emailverkehr, Aufschub nicht dringlicher Reparatur- und Wartungsarbeiten mit viel Personal aus unterschiedlichen Abteilungen, Beurlaubung von nicht zwingend notwendigem Personal, Schließen der Werkskantine und der Pausenräume u.s.w.) Können Sie Hinweise auf gut ausgearbeitete praktische „Pandemiepläne“ geben?

Antwort:

Im Falle einer Influenza-Pandemie wäre die Teilimmunität, die sich mit den derzeit aktuellen Grippeimpfstoffen erreichen läßt, nicht ausreichend, um den erforderlichen Schutz gegen den dann grassierenden Virustyp herzustellen. Der spezifische Impfstoff kann erst hergestellt werden, wenn das Pandemie-Virus bekannt ist.
Im Vorfeld einer Pandemie ist jedoch eine hohe Durchimpfungsrate gegen (aktuelle) Influenza anzustreben, nicht zuletzt, um die Möglichkeit eines Genaustauschs mit dem H5N1-Virustyp einzuschränken. Auch die Pneumokokkenimpfung wird empfohlen.

In Computersimulationen des Vogelgrippeverlaufs in Thailand war für die Zeit vor dem Einsatz eines spezifischen Impfstoffes die Verabreichung antiviraler Medikamente, wie sie in Deutschland auch die Bundesländer auf Vorrat anschaffen, am wirkungsvollsten. Aber auch die Impfung mit einem nicht spezifisch auf einen Virustyp zugeschnittenen Impfstoff erhöhte die Chance, die Ausbreitung zu stoppen, Quarantänemaßnahmen müssten ggf. hinzukommen.

Umfassende Informationen zum Thema Influenza-Pandemie finden Sie auf den Internetseiten des Robert-Koch-Instituts. Dort ist auch der "Nationale Pandemieplan" veröffentlicht. Darin wird die Erstellung von lokalen Pandemieplänen auf Stadt- und Kreisebene gefordert und eine situationsangepasste Delegation bestimmter Aufgaben an arbeits- und betriebsmedizinische Dienste angeregt. In Teil II, Kapitel 8.2.1 sind Maßnahmen zum Expositionsschutz und allgemeine Hygieneregeln, die propagiert werden sollten, aufgeführt. Um der Bevölkerung eine verlässliche Orientierung zu geben, sollten alle Maßnahmen bundesweit auf Empfehlungen der "Nationalen Pandemiekommission" koordiniert und die Bevölkerung auf der Ebene lokaler Behörden informiert werden. Das Infektionsschutzgesetz muss beachtet werden. Auch bei einer Pandemie liegen demnach die Zuständigkeiten bei den örtlichen Gesundheitsämtern. Welche Maßnahmen in der Initialphase einer Pandemie und welche bei einem vollen Ausbruch sinnvoll sind, muss in Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Stellen differenziert entschieden werden.

Betriebliche Pandemiepläne müssten sich an diesen Vorgaben orientieren und kontinuierlich angepasst werden. Das Auswärtige Amt hat auf seinen Internetseiten den "Influenza Pandemieplan - Ausland" veröffentlicht, der ebenfalls allgemeine Empfehlungen zu vorbeugenden Maßnahmen aufführt.

Stand: August 2005