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Fallen Labore zur Diagnostik von Hirngewebe in den Anwendungsbereich des ABAS Beschlusses 603 mit der Konsequenz einer Zuordnung zur Schutzstufe 3?

KomNet Dialog 3362

Stand:

Kategorie: Belastungen durch Biostoffe > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (6.1) > Anwendungs- und Geltungsbereich

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Frage:

Biologische Arbeitsstoffe - Histologie von Hirngewebe Bei der routinemäßigen Diagnostik von Gehirngewebe (Anfertigung von Schnitten, Färben, mikroskopische Untersuchung) kann die Anwesenheit von TSE Erregern normalerweise nicht ausgeschlossen werden. Die Untersuchungen sind auf den Nachweis des TSE Erregers nicht ausgerichtet, das Infektionsrisiko wird gemäß der erstellten Gefährdungsbeurteilung als sehr gering eingestuft. Bei Verdachtsfällen oder Erkennntssen durch klinische Voruntersuchungen erfolgt eine Fixierung mittels Formaldehyd/Ameisensäure. Fallen derartige Labore grundsätzlich in den Anwendugsbereich des ABAS Beschlusses 603 mit der Konsequenz einer Zuordnung zur Schutzstufe 3? Müssen die Sicherheitsmaßnahmen entsprechend der Risikostufe 3** (TRBA 105) festgelegt werden? Besteht eine Anzeigepflicht nach der Biostoffverordnung oder reichen die Schutzmaßnahmen der Schutzstufe 2 nach TRBA 100?

Antwort:

Bei den geschilderten Tätigkeiten, bei denen "die Anwesenheit von TSE-Erregern normalerweise nicht ausgeschlossen werden" kann, handelt es sich um nicht gezielte Tätigkeiten im Sinne der Ziffer 2.3 des Beschlusses 603 des Ausschuss für gefährliche Arbeitsstoffe - ABAS ("Nicht gezielte Tätigkeiten liegen vor, wenn der Status des Lebewesens oder Probenmaterials nicht bekannt ist und die Tätigkeiten....sich nicht auf das TSE-assoziierte Agens beziehen."). Gemäß Ziffer 3.3 Absatz 2 des Beschlusses 603 sind gezielte und nicht gezielte Tätigkeiten mit TSE-assoziierten Agentien der Schutzstufe 3 zuzuordnen. Dementsprechend fallen die geschilderten Tätigkeiten unter den Anwendungsbereich des Beschlusses 603 und sind der Schutzstufe 3 zuzuordnen. Umzusetzen sind daher die im Beschluss beschriebenen Schutzmaßnahmen und, soweit diese darauf verweisen, die Maßnahmen der TRBA 100 und der TRBA 105. Beachten Sie hierbei insbesondere die unter Ziffer 6 des Beschlusses beschriebenen Maßnahmen zur "Inaktivierung und Dekontamination" für die geschilderten "Verdachtsfälle" bzw. "Erkenntnissen durch klinische Voruntersuchung".

Die Tätigkeiten sind nach Ziffer 4.1 des Beschlusses 603 in Verbindung mit § 13 Biostoffverordnung der zuständigen Behörde (in NRW: Bezirksregierungen anzuzeigen.