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Inwiewiet ist unter psychologischen Aspekten die ablehnende Haltung einer Mitarbeiterin zur Einrichtung von Funknetzwerken zu berücksichtigen?

KomNet Dialog 3231

Stand: 18.09.2015

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Psychische Belastungen und Beanspruchungen > Soziale und psychische Belastungen

Dialog
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Frage:

Einrichtung von Funknetzwerken (WLAN) in Bürogebäuden unter psychologischen Aspekten Bei der Einrichtung eines Funknetzwerkes zur PC-Vernetzung an einen DSL Anschluß würde die Antenne (Access Point) des WLAN im Büro einer Mitarbeiterin eingerichtet werden. Der Abstand zum Arbeitsplatz beträgt wenige Meter. Die Mitarbeitrerin, welche auch andere `strahlenden` Geräte wie Mikrowellengeräte oder Mobilfunk/schnurlose Telefone ablehnt, fühlt sich durch eine mögliche Strahlenbelastung gefährdet. Selbst wenn die Leistung des `Access Point` weit unter den gesetzlichen Grenzwerten liegt, in wieweit ist eine psychologische Belastung der Mitarbeiterin vertretbar ?

Antwort:

Mit der immer stärkeren Verbreitung von Funknetzen wird auch der Anteil derjenigen zunehmen, die sich durch elektromagnetische Felder von Sendeanlagen, Handys oder Antennen von Funknetzen (WLAN) im Büro, sog. Access-Points, gestört, beeinträchtigt oder gesundheitlich gefährdet fühlen.

Befragungen zur Novellierung der 26. BImSchV (26. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes: Verordnung über elektromagnetische Felder) von Juni 2002 belegen, dass sich 30-45% der Betroffenen „ernste Sorgen“ machen, ca. 8% sich sogar gesundheitlich stark beeinträchtigt fühlen. Daher ist dieses Problem in jedem Falle ernst zu nehmen.

Die in der 26. BImSchV angegebenen Grenzwerte orientieren sich an nachweisbaren Gesundheitsgefahren, die durch hochfrequente Strahlung ausgelöst werden können, z.B. Erwärmung des menschlichen Gewebes. In den meisten hierzu untersuchten Fällen werden diese Grenzwerte im Bereich von WLAN nicht erreicht bzw. liegen diese noch deutlich unterhalb der Strahlung von Handys, deren Verbreitung ja um ein Vielfaches höher ist (vgl. hierzu: Gutachten zur EMVU-Belastung durch WLAN, Universität Bremen, 2001). Die Verordnung sagt aus, dass es unterhalb dieser Grenzwerte keine nachweisbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen gibt. Darüber hinaus existiert bis heute keine einheitliche Symptomatik aus medizinischer Diagnostik, die als einwirkungstypisch für hochfrequente Strahlung gelten kann. Das heißt, bei WLAN-Netzen kann objektiv davon ausgegangen werden, dass bei Einhaltung der Grenzwerte keine Gesundheitsgefährdung von ihnen ausgeht.

Unter psychologischen Gesichtspunkten ergeben sich jedoch Anforderungen an den Arbeitgeber, mit Schutz- und Vorsorgemaßnahmen auf die Ängste und psychischen Belastungen von Mitarbeitern zu reagieren, und zwar aus folgenden Gründen:
1. es gibt Personen, die aufgrund besonderer individueller Empfindlichkeit auch auf sehr geringe Feldstärken deutlich stärker reagieren als der Durchschnitt („Elektrosensibilität“).
2. Unabhängig von objektiven Grenzwerten und Argumentationen kann das subjektive Beeinträchtigungsgefühl eines Menschen mittel- und langfristig zu einer realen Beeinträchtigung führen („Self fullfilling prophecy“).
3. Berichte in der Medienlandschaft zum Thema Gesundheitsgefahren durch Elektrosmog liefern häufig Krankheits-Symptomatiken, die dann von Betroffenen als eigene Symptome beschrieben werden. Über den ursächlichen Zusammenhang ist allerdings bis heute keine verlässliche Aussage zu treffen.

Daher wird für den vorliegenden Fall unter psychologischen Aspekten folgender Verfahrensvorschlag gemacht:
1. Klärendes Gespräch mit der Betroffenen über den Sachverhalt und die objektiven Erkenntnisse („Ängste nehmen“).
2. Einen definierten Zeitraum mit dem System arbeiten lassen und auf mögliche, neu eintretende und beeinträchtigende Symptome achten (Kopfschmerzen, Migräne, innere Unruhe, Schlaflosigkeit, Infektanfälligkeit etc.).
3. Wenn sich Symptome einstellen oder die psychologische Grundhaltung der Mitarbeiterin nicht ändert, wäre ein anderer Arbeitsplatz ohne Funknetzeinwirkung in Betracht zu ziehen.

Nicht empfehlenswert ist es unter psychologischem Aspekt, die Mitarbeiterin zur ärztlichen Untersuchung oder sogar zur therapeutischen Behandlung ihrer „unbegründeten Ängste“ zu schicken, da heute niemand sagen kann, ob die Ängste wirklich unbegründet sind.