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Frage zum Erfordernis eines Ammoniaksensors außerhalb der Begasungskammer

KomNet Dialog 3094

Stand:

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Begasungen

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Frage:

Ich möchte in unserem Gewächshaus einen Begasungsversuch an Pflanzen mit Ammoniak durchführen. Die Ammoniakkonzentration liegt unter 1 ppm. Die Steuereinheit und die Ammoniakflasche befinden sich im Gewächshausgang ausserhalb der Begasungskammer. Muß dort ein zusätzlicher Ammoniaksensor/melder angebracht werden, für den Fall, dass die zulässige Ammoniakkonzentration 50 ppm überschritten wird?

Antwort:

Nach den Vorinformationen aus der Fragestellung wird davon ausgegangen, dass eine Begasung i.S. des Anhangs III Nr. 5 der Gefahrstoffverordnung unter Beachtung der dort aufgeführten Regelungen durchgeführt werden soll.

Grundsätzlich dürfen Begasungen mit sehr giftigen oder giftigen Stoffen und Zubereitungen, die nicht als Biozid-Produkte einem Zulassungs- oder Registrierungsverfahren nach Abschnitt IIa des Chemikaliengesetzes unterliegen, nur mit den im Anhang III Nr. 5.2 der Gefahrstoffverordnung aufgeführten zugelassenen Begasungsmitteln durchgeführt werden. In anderen Fällen kann die zuständige Behörde eine Prüfung durch das Bundesinstitut für Risikobewertung oder die Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung verlangen.

Ammoniak ist chemikalienrechtlich als giftig und umweltgefährlich eingestuft und entsprechend gekennzeichnet. Es ist im Anhang III Nr. 5.2 Gefahrstoffverordnung nicht als zugelassenes Begasungsmittel aufgeführt. Informationen, dass es als Biozidprodukt ein Registrierungs- oder Zulassungsverfahren durchlaufen hat, liegen nicht vor. Unter diesen Voraussetzungen ist eine Begasung i.S. chemikalienrechtlicher Vorschriften nicht zulässig.

Die zuständige Behörde kann jedoch auf schriftlichen Antrag nach § 20 Abs. 1 Gefahrstoffverordnung Ausnahmen u.a. von den Vorschriften des Anhangs III erteilen, wenn die Durchführung der Vorschrift im Einzelfall zu einer unverhältnismäßigen Härte führen würde und die Abweichung mit dem Schutz der Beschäftigten vereinbar ist.

Im Rahmen dieser Ausnahmegenehmigung und der dem Antrag zugrunde liegenden Gefährdungsbeurteilung wäre auch die Erfordernis eines zusätzlichen Ammoniaksensors außerhalb der Begasungskammer zu klären.

Die Gefährdungsbeurteilung nach § 7 der Gefahrstoffverordnung ist vor Aufnahme der Tätigkeit durchzuführen und unabhängig von der Zahl der Beschäftigten zu dokumentieren. In eigener Verantwortung hat der Arbeitgeber u.a. Ausmaß, Art und Dauer der Exposition sowie die Wirksamkeit der getroffenen Schutzmaßnahmen zu bewerten. Schon hier ist individuell für den Einzelfall durch den Arbeitgeber zu entscheiden, ob ein Ammoniaksensor außerhalb der Begasungskammer als Schutzmaßnahme erforderlich ist.

Die Frage wurde aus der Sicht chemikalienrechtlicher Vorschriften beantwortet. Anforderungen anderer Rechtsbereiche (z.B. Umweltrecht, Anlagensicherheit) bleiben unberührt.

Stand: 11.04.2005