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Gibt es eine Regelung, die Personen mit bestimmten chronischen Krankheiten oder Medikationen vom Schichtdienst ausschließt?

KomNet Dialog 3080

Stand:

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Arbeitszeitberatung und -gestaltung > Schichtarbeit

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Frage:

Gibt es eine Regelung, die Menschen mit bestimmten chronischen Krankheiten (z.B. Diabetis mellitus, Hypertonie, Schlafstörungen, Colitis Ulcerosa etc.) vom Schichtdienst ausschließt? Wie ist da die rechtliche Regelung? Wie sieht dieses mit der Einnahme von Medikamenten aus? Parallel zur o.a. Krankheit oder unabhängig davon? Sind bestimmte Medikationen und Schichtdienst ausgeschlossen?

Antwort:

Rechtliche Grundlagen : Arbeitszeitgesetz (dabei wurde die unterschiedliche Behandlung von Männern und Frauen in Bezug auf Nachtarbeit und Pausen aufgehoben), Mutterschutzgesetz, Jugendarbeitsschutzgesetz, weitere Regelungen in Tarif- und Arbeitsverträgen sowie in Betriebsvereinbarungen.
Es gibt arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, die für Nachtarbeiter empfohlen werden. Anhaltspunkte dafür wurden vom Ausschuss „Arbeitsmedizin“ beim Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften erarbeitet (Bek. des BMA vom 22.08.95) Arbeitsmedizin, Handbuch für Theorie und Praxis, G. Triebig, M. Kentner, R. Schiele, Gentner Verlag 2003.
Der beurteilende Arzt hat nach gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen zu entscheiden und aus Gründen der Prävention Nacht- und Schichtarbeit nach diesen Erkenntnissen zu gestalten. Besonders risikoreich für die Gesundheit sind Schichtsysteme mit Nachtschichten. Lebewesen unterliegen einer Tagesperiodik, die ihre Körperfunktion und ihre Leistungsfähigkeit steuert und beeinflusst, diesem tageszeitlichen Wechsel unterliegen viele Organfunktionen wie der Schlaf, die Körpertemperatur, Magen-Darm-Tätigkeit und andere vegetativ gesteuerte Körperfunktionen.
Nach diesen Erkenntnissen bestehen dauernde gesundheitliche Bedenken für Nachtarbeit bei Personen mit Stoffwechsel-Erkrankungen (je nach Schweregrad), schweren endokrinen Störungen, gravierenden fortschreitenden Organstörungen, Störungen des Hirnstoffwechsels, Erkrankungen, bei denen eine Verschiebung des Schlaf-Wachrhythmus zu vermeiden ist, Erkrankungen der Herzkranzgefäße (Nachtschichtarbeiter haben ein deutlich höheres Herzinfarkt-Risiko), Hypertonie- vor allem, wenn sie schlecht einstellbar ist. Bei chronischen Magen-Darm-Erkrankungen wäre es je nach Art und Schwere eine Einzelfall-Entscheidung. Hier hat nach wissenschaftlichen Hinweisen der Arbeitnehmer auch seine Pflicht zu erfüllen: Seine Ernährung der Schichtarbeit anzupassen. Falls Medikament-Einnahme vom Biorhythmus abhängig ist, wäre auch das eventuell zu berücksichtigen.
Unfälle und Fehlleistungen nehmen in der Nachtschicht zu! Die individuelle Phasenlage ist mit der Fähigkeit zur Bewältigung von Nachtarbeit verknüpft –
ASU 9/2002: „ Der Verlauf der Melatoninkonzentration im Speichel“ und ASU 12/2003: „Perspektiven zur Gestaltung von Nachtarbeit durch Licht und Melatonin“.
Neuer Hinweis: „Licht und Krebsentwicklungen in der Arbeitswelt und Umwelt –
Neueste Einblicke in mögliche Zusammenhänge“ – ASU 4/2004 Seite 258 –
P138.

Stand: 23.03.2005