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Welche Sicherheitsvorschriften sind bei einer unter einem Glasdach installierten Wartungsbrücke zu beachten?

KomNet Dialog 3073

Stand: 20.01.2006

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > angrenzende Bereiche > Sprengstoffe, Pyrotechnik

Dialog
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Frage:

Gegenstand: Unter einem Glasdach, ca. 20 m über Gelände, wurde eine Brücke für die Reinigung, Wartung, Instandhaltung von unten installiert. Spannweite 12 m. Die Brücke ist auf zwei Breitflanschträgern durch Handbetrieb horizontal verfahrbar. Bahnlänge 15 m. Standort in Hessen. Fragen: 1. Welchen Sicherheitsbestimmungen sind für diese Anlage anzuwenden? 2. Welche Abnahmeprüfungen und Wiederholungsprüfungen sind durchzuführen? Durch wen? TÜV, Bauaufsicht ... 3. Wie ist die Anlage zu kennzeichnen? Typenschild, Hersteller, Baujahr, Tragfähigkeit ... 4. Welche Dokumentation ist anzufertigen? Tragfähigkeitsnachweis, Konstruktionspläne ... Im Voraus vielen Dank!

Antwort:

Verschiedenen Vorschriften können Anforderungen an die Wartungsbrücke stellen. Dies sind insbesondere die Bauordnungen der Länder, das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (Inverkehrbringen von Produkten) und die Betriebssicherheitsverordnung (die Bereitstellung und Benutzung von Arbeitsmitteln).

1.1 Baurecht
Die Wartungsbrücke ist eine bauliche Anlage im Sinne des Baurechts. Demnach sind mit dem zuständigen Bauamt die Voraussetzungen (Genehmigung, Standsicherheitsnachweis, Absturzsicherungen) für die Errichtung und den Betrieb abzuklären. Das Baurecht ist länderspezifisch, sodass hierzu allgemein gültige Aussagen nicht getroffen werden können.

1.2 Inverkehrbringen
Die Wartungsbrücke ist auch ein technisches Arbeitsmittel im Sinne von § 2 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 3 des Produktsicherheitsgesetzes (ProdSG). Für die Wartungsbrücke bestehen keine EG-Richtlinien, so dass für das Inverkehrbringen die Voraussetzungen des § 4 Abs. 2 GPSG greifen. Hiernach darf die Wartungsbrücke nur in den Verkehr gebracht werden, wenn sie so beschaffen ist, dass bei bestimmungsgemäßer Verwendung oder vorhersehbarer Fehlanwendung Sicherheit und Gesundheit von Verwendern oder Dritten nicht gefährdet werden.
Bei der Beurteilung ob die Wartungsbühne sicherheitstechnisch einwandfrei ist, hat der Hersteller folgende Schutzaspekte zu betrachten:
- die Eigenschaften des Produktes einschließlich seiner Zusammensetzung, Anleitung für den Zusammenbau, der Installation, der Wartung und der Gebrauchsdauer,
- die Kennzeichnung, Warnhinweise, Gebrauchs- und Bedienungsanleitung und
- die Gruppen der Verwender.
Bereits vor der Konstruktion der Wartungsbrücke sind vom Hersteller im Rahmen einer Gefahrenanalyse die Gefährdungen zu ermitteln und dann bei der Konstruktion zu berücksichtigen.
Als Gefährdungen können z.B. Abstürze, mangelnde Standsicherheit, unbefugtes Bewegen oder unbefugte Benutzung nicht ausreichende Belastbarkeit (welche Arbeiten, wie viel Personen mit welche Arbeitsmittel und Materialien) in Frage kommen.
Wird die Sicherheit erst durch die Art der Aufstellung gewährleistet ist beim Inverkehrbringen ausreichend darauf hinzuweisen.
Sind zur Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheit bestimmte Regeln bei der Verwendung oder Instandhaltung zu beachten, ist auch eine Gebrauchsanleitung in deutscher Sprache mitzuliefern.
Aus den Ausführungen zum GPSG ergibt sich, dass an der Wartungsbrücke mindestens als Kennzeichnung die höchstzulässige Belastung anzugeben ist.
Ein Typenschild mit Angaben des Herstellers und des Baujahres ist nicht gefordert.

1.3 Betriebssicherheitsverordnung
Die Wartungsbrücke wird den Beschäftigten vom Arbeitgeber zur Benutzung zur Verfügung gestellt. Sie ist demnach ein Arbeitmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), auf die die Bestimmungen des Abschnittes 2 der Betriebssicherheitsverordnung Anwendung finden.
Hiernach hat der Arbeitgeber im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung die notwendigen Maßnahmen für die sichere Bereitstellung zu ermitteln und insbesondere die Gefährdungen zu berücksichtigen, die mit der Benutzung der Wartungsbrücke selbst verbunden sind und die am Arbeitsplatz durch Wechselwirkungen der Arbeitsmittel untereinander oder mit Arbeitsstoffen oder der Arbeitsumgebung hervorgerufen werden.
Für die Wartungsbrücke sind vom Arbeitgeber insbesondere Art, Umfang und Fristen erforderlicher Prüfungen zu ermitteln. Ferner hat der Arbeitgeber die notwendigen Vorraussetzungen zu ermitteln und festzulegen, welche die Personen erfüllen müssen, die von ihm mit der Prüfung zu beauftragen sind.