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KomNet-Wissensdatenbank

Kann von kabellosen Headsets eine Gesundheitsgefährdung ausgehen?

KomNet Dialog 3072

Stand:

Kategorie: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Nichtionisierende Strahlung > elektromagnetische Strahlung / Felder

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Frage:

Seit wenigen Tagen setzen wir in der Telefonzentrale kabellose Headsets mit DECT-Technik (1,8 GHz) ein. Nun kam die Frage auf, ob von diesen (monoauralen) Geräten eine mögliche Gesundheitsgefährdung, ähnlich der eines Mobilfunktelefons ausgehen kann?

Antwort:

Mobiltelefone und Basisstationen senden elektromagnetische Strahlung aus. Hierbei handelt es sich um Schwingungen elektrischer und magnetischer Felder, die sich wellenartig mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten. Zurzeit werden Frequenzbereiche bei 900 MHz und bei 1800 MHz benutzt. Die Strahlung, die auf den Menschen auftrifft, bezeichnet man als Immission. Die Sendeleistung eines Mobiltelefons ist zwar wesentlich schwächer als diejenige von Basisstationen, jedoch ist die Belastung des Menschen durch ein Mobiltelefon während eines Gespräches viel höher als diejenige, die sich selbst von der stärksten Basisstation ergibt. Dies kommt daher, dass das Mobiltelefon nur wenige Millimeter vom Kopf entfernt ist, während man der Antenne einer Basisstation kaum näher als einige Meter kommt.
Die zulässigen Grenzwerte beruhen auf dem Schutz vor Erwärmungseffekten. Headsets, die dem DECT-Standard entsprechen, sind, technisch gesehen, mit schnurlosen Telefonen mit DECT-Standard vergleichbar.

Schnurlose Telefone für Haus und Garten übertragen per Funk Gespräche zwischen einer am Telefonfestnetz angeschlossenen Basisstation und einem tragbaren Hörer. Am gebräuchlichsten sind derzeit Geräte nach dem sog. DECT-Standard (Digital Enhanced Cordless Telephone - digitales System für schnurlose Telefone). Der DECT-Standard ist ursprünglich ein Industriestandard, der die Einrichtung drahtloser Nebenstellenanlagen in GSM-ähnlichen Zellstrukturen ermöglicht. Um den reibungslosen Betrieb mit den Mobilteilen sicherzustellen, muss die Basisstation ein kontinuierliches Kontrollsignal senden. Der verwendete Frequenzbereich liegt zwischen 1800 und 1900 MHz. Auf Grund des Zeitschlitzverfahrens (24 Zeitschlitze in 10 ms) ergibt sich ein gepulstes Signal mit einer Wiederholungsfrequenz von 100 Hz.

Da die Reichweite mit bis zu 300 m sehr gering ist, beträgt die maximale Sendeleistung von Basisstation und Mobilteil jeweils nur 250 mW pro Puls. Die mittlere abgestrahlte Leistung eines DECT-Gerätes beträgt max. 10 mW.
Daraus resultieren maximale spezifische Absorptionsraten (SAR) von unter 0,1 W/kg. Der empfohlene Basisgrenzwert für Teilkörperexposition von 2 W/kg wird demnach deutlich unterschritten (siehe hierzu www.bfs.de). Der empfohlene Grenzwert für beruflich exponierte Personen für die Strahlung von Mobiltelefonen liegt bei 1W/kg oder 0,01W/10g Körpergewebe.

Aufgrund der bisherigen Untersuchungen ist eine Gefährdung der Gesundheit durch Mobilfunkstrahlung weder in der Nähe von Basisstationen noch beim Telefonieren mit Mobiltelefonen nachgewiesen. Die genannten Grenzwerte werden unterschritten und sind beim klassischen Handy etwa 10fach höher.
Auch wenn nach dem aktuellen Wissensstand in der DECT-Technik kein gesundheitsgefährdendes Potenzial zu erkennen ist, können Langzeitwirkungen derzeit nicht sicher ausgeschlossen werden. Personen, die ein Hörgerät benutzen oder einen Herzschrittmacher haben, sollten darüber informiert sein, ob durch die Handhabung der entsprechenden Telefone eine Störung dieser Geräte eintreten kann.
Anmerkung: Bei Headsets, die die Verbindung zur Basisstation mittels Infrarottechnologie herstellen, ist die Strahlenbelastung im Vergleich zu Geräten mit DECT-Standard nochmals reduziert.

Stand: 21.03.2005