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Unter welchen Bedingungen ist eine Freistellung vom Nachtdienst bei Migräne gerechtfertigt?

KomNet Dialog 3061

Stand:

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Gesundheitsschutz > Sonstige arbeitsmedizinische Fragen

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Frage:

Der Arbeitgeber einer Altenpflegerin bittet mich als Betriebsarzt, diese auf Ihre berufliche Leistungsfähigkeit zu untersuchen. Es soll dazu Stellung genommen werden, ob die Beschäftigte, die in einer Alteneinrichtung auf einer Station als Altenpflegerin arbeitet, auch weiterhin im Nachtdienst arbeiten kann. Die Betroffene legt ein Attest ihres Hausarztes vor, wonach sie auf Grund einer `schweren Migräne` davon freigestellt werden soll. Andernfalls wird eine `Verschlechterung der Beschwerden` befürchtet. Die Beschäftigte behauptet, dass es nachts gehäuft zu Migräneanfällen komme. Frage: Unter welchen Bedingungen ist eine Freistellung vom Nachtdienst bei Migräne gerechtfertigt? Welche Zusammenhänge sind zwischen dem Auftreten/der Auslösung von Migräneanfällen und der Tätigkeit im Nachtdienst bekannt?

Antwort:

Bei Migräne handelt es sich um ein weit verbreitetes Krankheitsbild mit vielfältigen Erscheinungsformen und Differenzialdiagnosen. Zur Ätiologie sind neben einer idiopathischen Migräne verschiedene Auslösemechanismen, zu denen auch ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus zählt, bekannt. Die Abgrenzung von anderen Kopfschmerzerkrankungen erfordert eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung. Auch zur Prophylaxe gibt es - entsprechend den unterschiedlichen ätiologischen Ansätzen – verschiedene Konzepte.
Bei der Nachtarbeit kommt es zu einer besonderen Belastung (und Beanspruchung) der Schlafdauer und -qualität, Appetitstörungen, Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu Magengeschwüren, Stoffwechselerkrankungen und auch Störungen des Soziallebens. Leistungsminderungen und Fehlleistungen sind individuell sehr verschieden. Gesundheitliche Bedenken werden u. U. (tätigkeitsbezogen) bei folgenden Erkrankungen oder Symptomen erhoben: Herz-Kreislauferkrankungen, Magen-Darmerkrankungen, Erkrankungen der Niere oder Leber mit erheblicher Leistungseinschränkung, neurologische Erkrankungen mit wesentlichen Funktionsstörungen.
Vor einer endgültigen Freistellung vom Nachtdienst sollte geklärt werden,
- inwieweit die Diagnose gesichert ist,
- sich die Arbeitnehmerin in fachärztlicher Behandlung (eines Neurologen) befindet,
- welche Therapien bereits durchgeführt wurden
- und eine Einschätzung des Facharztes zur Frage einer möglichen Triggerung der Anfälle durch den Nachtdienst, eingeholt werden.
Sollte bisher keine fachärztliche Behandlung erfolgt sein, besteht die Möglichkeit einer zeitlich befristeten Freistellung vom Nachtdienst (z. B. drei Monate) mit der Maßgabe ein Kopfschmerztagebuch zu führen und eine fachärztliche Diagnostik (und Therapie) nachzuholen.
Nach Erschöpfung sämtlicher diagnostischen und therapeutischen Optionen, sind im Einzelfall - in Abstimmung mit dem Spezialisten (Neurologen) - „befristete“ oder „dauernde“ gesundheitliche Bedenken gegen die Fortsetzung des Nachtdienstes zu rechtfertigen.
Stand: 10.03.2005