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Gilt in der Abwasserkanalisation ein separater Schacht für die elektronische Steuerung als umschlossener Raum gemäß BGR 126?

KomNet Dialog 2932

Stand:

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (8.5) > Berufsgenossenschaftliche Vorschriften

Dialog
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Frage:

In unserer Abwasserkanalisation gibt es im Verlauf des Kanalnetzes Kleinpumpwerke, die als Hebewerke für Freispiegelleitungen fungieren (Kleinpumpwerke: Betonschacht DN 1000, Schachttiefe 2,5 m, bestückt mit je einer Schneidwerkpumpe). Die elektronischen Steuerungen für diese Pumpe befindet sich außerhalb des Pumpschachts, allerdings nicht wie üblich in einem oberirdisch beigestellten Schaltschrank, sondern in Elektronikgehäusen (IP 67 bis IP 68), die in einem separaten erdeingebauten Schacht (Betonschacht DN 1000 mit tagwasserdichtem Deckel, Schachttiefe 1,2 m bis 2,0 m) montiert sind. Die Kabeldurchführung von diesem `Steuerschacht` zum eigentlichen Pumpschacht sind mit einer lt. Herstellerbescheinigung bis 4 bar druckwasser- und gasdichten Wanddurchführung abgedichtet. Die `Steuerschächte` kommen somit weder mit dem Abwasser noch mit daraus sich entwickelnden Gasen in Berührung. Frage 1 zu BGR 126: Gehört dieser `Steuerschacht` trotz der gegebenen Trennung vom Abwasser zu den `umschlossenen Räumen von Abwassertechnischen Anlagen` nach Pkt. 2.3 der BGR 126? Anders formuliert: Fällt der Steuerschacht, der ja direkt mit dem Abwasser nichts zu tun hat unter den Kompetenzbereich der BGR 126 oder ist hier, da ja lediglich das Elektronikgehäuse eingebaut ist, die (ehemalige) ZH 1/77 anzuwenden. Frage 2: Das Elektronikgehäuse hat die Abmessungen 400x600x170mm. Ist der Platz innerhalb des Schachtes noch ausreichend (75cm bis zur gegenüberliegenden Schachtwand)? Arbeiten an der Elektronik sind durchschnittlich nicht häufiger als 1 mal jährlich für 1h durchzuführen.

Antwort:

Wir fassen zunächst die wesentlichen geltenden Vorschriften und Regeln der Unfallversicherungsträger zusammen:
Zitat:
GUV-V C 5 -Abwassertechnische Anlagen- mit Durchführungsanweisungen
„Als Schmutzwasser gelten auch die aus Anlagen zum Behandeln, Lagern und Ablagern von Abfällen austretenden und gesammelten Flüssigkeiten.
Umschlossene Räume im Sinne dieser Unfallverhütungsvorschrift sind Räume, die offen von Abwasser durchflossen werden oder in denen offen Abwasser gesammelt oder gespeichert oder behandelt wird, oder sonstige Bauwerke von abwassertechnischen Anlagen, die in offener Verbindung mit dem Abwasser stehen. Zu den umschlossenen Räumen gehören auch deren Zugänge, wie Kontrollschächte und sonstige Schächte, auch wenn sie nicht ständig in offener Verbindung mit dem Abwasser stehen. Hierzu zählen nicht oberirdische Räume von Abwasserbehandlungsanlagen.“
Zitat:
BGR 126 (bisher ZH 1/177)
Sicherheitsregeln für Arbeiten in umschlossenen Räumen von abwassertechnischen Anlagen
„5.7.1 Allgemeines
5.7.1.1 Die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen müssen der Gefährdung aufgrund der örtlichen Verhältnisse über Tage, der Gefahren durch Stoffe in den umschlossenen Räumen sowie der Gefahren durch das Einsteigen selbst entsprechend abgestimmt werden.
5.7.1.2 Leitungen mit einem Eiprofil von weniger als 100 cm Höhe und solche mit einem Kreisprofil von weniger als 90 cm lichter Weite sollen nicht betreten werden. Ausnahmen sind nur auf besondere Anordnung und unter Beachtung besonderer Sicherheitsmaßnahmen zulässig. Zur Verkehrssicherung siehe Abschnitt 5.1.3. Zur Ermittlung der Gefahren durch Stoffe und Maßnahmen gegen gefährliche Atmosphäre siehe Abschnitte 5.1.2, 5.2 und 5.4.3.“

Anmerkungen zu den v.g. Regelungen:
Soweit eine gasdichte, dauerhafte Abschottung des Steuerschachtes gegen das Kanalnetz gegeben ist, fällt der Steuerschacht nicht unter die Anforderungen an Abwassertechnische Anlagen. Zutreffend wäre zunächst BGR 117 „Arbeiten in Behältern und engen Räumen“.
In dieser Regel sind jedoch keine Schachtdurchmesser für zulässige Arbeiten genannt.
Deshalb sollte auf BGR 126 Nr. 5.7.1.2 zurückgegriffen werden. Auch was die weiteren Maßnahmen angeht, weil Schächte nicht auf Dauer dicht sind und bei einer Lage neben einem Teil des Kanalnetzes Gas dann eindringen kann. Es ist in einer Gefährdungsbeurteilung vor Ort durch eine Fachkraft für Arbeitssicherheit festzustellen, ob der Abstand im Falle einer Gefährdung durch Elektrischen Strom ausreichend ist. Arbeiten in einem Schacht von weniger als 0,8 m sind nur auf besondere Anordnung und unter Beachtung besonderer Sicherheitsmaßnahmen zulässig.
Das angesprochene Regelwerk wird im Internet z.B. unter http://regelwerk.unfallkassen.de angeboten.

Stand: Dezember 2004