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KomNet-Wissensdatenbank

Darf bei der technischen Lüftung einer Lackieranlage die Zuluft aus der Halle angesaugt werden?

KomNet Dialog 29221

Stand: 08.05.2017

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Raumklima, Lüftung > Lüftung, Lüftungsanlagen

Dialog
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Frage:

In einer Autolackiererei wird ein Misch- und Bereitstellraum für Lacke eingerichtet (Menge <450 bzw. 3000L), dafür soll eine techn. Lüftung eingesetzt werden. Die Zuluft soll aus dem Innenraum der Halle angesaugt werden. Ist dies zulässig? In der BGI 740 ist leider nicht definiert woher die Frischluft bei techn. Lüftung kommen soll. Bitte um Rückmeldung. Danke.

Antwort:

Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) fordert in ihrem Anhang unter 3.6 Lüftung u. a.
"(1) In umschlossenen Arbeitsräumen muss unter Berücksichtigung der Arbeitsverfahren, der körperlichen
Beanspruchung und der Anzahl der Beschäftigten sowie der sonstigen anwesenden Personen ausreichend
gesundheitlich zuträgliche Atemluft vorhanden sein."

Arbeitsräume im Sinne dieser Verordnung sind (vgl. § 2 Begriffsbestimmungen):
"(3) Arbeitsräume sind die Räume, in denen Arbeitsplätze innerhalb von Gebäuden dauerhaft eingerichtet sind."

Arbeitsplätze im Sinne dieser Verordnung sind (vgl. § 2 Begriffsbestimmungen):
"(4) Arbeitsplätze sind Bereiche, in denen Beschäftigte im Rahmen ihrer Arbeit tätig sind."

In der den Punkt 3.6 Lüftung konkretisierenden ASR A3.6 wird unter den Anforderungen zu Raumlufttechnischen Anlagen (vgl. 6.2) u. a. gefordert:
"(2) Bei RLT-Anlagen ist die Zuluft (Außenluft/Umluft) vor der Zuführung in die zu lüftenden Räume entsprechend den Anforderungen hinsichtlich der Nutzung der Arbeitsstätte durch Luftfilter nach dem Stand der Technik zu reinigen."

Mit dem Klammerbegriff (Außenluft/Umluft) als Konkretisierung des Begriffs Zuluft ist gemeint, dass die Zuluft aus Außenluftanteilen und ggfs. - nicht zuletzt aus energetischen Gründen - gereinigten Umluftanteilen bestehen kann.

Konkretisiert wird dies wiederum in der DGUV Regel 109-002 "Arbeitsplatzlüftung – Lufttechnische Maßnahmen" unter Punkt 3.4.2.1:

"Bei maschineller Raumlüftung besteht die Zuluft entweder zu 100 % aus Außenluft oder aus energetischen Gründen aus einer Mischung von Außenluft und gereinigter Umluft. Nur im Ausnahmefall, z. B. zum Aufheizen von Werkhallen vor Schichtbeginn oder zur Temperaturhaltung außerhalb von Schichten, z. B. Wochenenden, kann die Zuluft zu 100 % aus Umluft bestehen. Es muss sichergestellt sein, dass in der Zuluft der Außenluftanteil so bemessen ist, dass dem Raum zu jeder Zeit ausreichend frische Luft zugeführt wird. Wird der Zuluft Umluft beigemischt, so ist sicherzustellen, dass die Forderungen nach Abschnitt 3.1 eingehalten werden."

Die Belüftung mit Außenluft - oder zumindest Anteile - muss also dann gegeben sein, wenn es sich bei dem beschriebenen Misch- und Bereitstellungsraum um einen Arbeitsplätz im Sinne der Arbeitsstättenverordnung handelt, d. h. in denen Beschäftigte im Rahmen Ihrer Arbeit tätig sind.

Handelt es sich in der Messkabine um Arbeitsplätze im Sinne der Arbeitsstättenverordnung, so ist im beschriebenen Fall entweder nachzuweisen, dass die Hallenluftqualität der üblichen Außenluftqualität entspricht oder es sind Außenluftanteile erforderlich. Im Zweifelsfall sollten Außenluftanteile beigefügt werden.