Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Genügen für explosionsgefährdete Bereiche der Zonen 0, 1, und 20 nach TRBS 2153 ableitfähige Schuhe oder müssen diese zusätzlich eine ATEX Zulassung besitzen?

KomNet Dialog 28971

Stand: 27.04.2017

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Persönliche Schutzausrüstung (PSA) / Schutzkleidung > Anforderungen und Eigenschaften von PSA / Schutzkleidung

Dialog
Favorit

Frage:

Genügen für explosionsgefährdete Bereiche der Zonen 0, 1, und 20 nach TRBS 2153 ableitfähige Schuhe oder müssen diese zusätzlich eine ATEX Zulassung besitzen. Sog. ESD Schuhe liegen im Ableitwiderstand weit darunter, besitzen jedoch z.T. Stahlkappen als Zehenschutz, von denen z.B. auch eine Zündquelle ausgehen kann, wenn das Oberleder abgewetzt ist.

Antwort:

Das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung (insbesondere auch Schutzschuhe) in explosionsgefährdeten Bereichen richtet sich nach der TRGS 727, die seit Mitte 2016 die bisherige TRBS 2153 ersetzt und fortschreibt.

Unter Punkt 7.1 "Ableitfähiges Schuhwerk " wird in Zone 0,1 und 20 ein ableitfähiges Schuhwerk mit einem Ableitwiderstand der Person gegen Erde von höchstens 108 Ohm gefordert. (Zu beachten ist in diesem Zusammenhang der Hinweis in der TRGS 727: In der Regel sind Personen nicht in den Zonen 0 oder 20 tätig. Dieses sollte bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden!).

Das Schuhwerk darf nicht so verändert werden - z. B. durch Einlegesohlen - , dass die Ableitfähigkeit verändert wird. Ist Verschleiß oder sind Defekte am Schuhwerk vorhanden, die die Ableitfähigkeit ändern oder ggf. neue Gefahrenquellen bieten, sind die Schuhe unverzüglich auszutauschen und dürfen nicht mehr in den o. g. Zonen getragen werden.

Die ATEX-Richtlinie gilt ausdrücklich nicht für persönliche Schutzausrüstung (Kapitel 1, Artikel 1 Anwendungsbereich, Absatz 2: "Diese Richtlinie findet keine Anwendung auf (...) d) Persönliche Schutzausrüstungen (...). D. h. eine ATEX-Zulassung ist nicht erforderlich.

Schutzschuhe fallen aber unter die 8. Verordnung zum ProdSG (Verordnung über die Bereitstellung von persönlichen Schutzausrüstungen auf dem Markt) in Verbindung mit der Richtlinie 89/686/EWG zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für persönliche Schutzausrüstungen.

Diese fordert für Schutzschuhe verbindlich eine Baumusterprüfung, eine Konformitätserklärung und die für die gesamte Lebensdauer des Schuhes fest angebrachte CE-Kennzeichnung. Darüber hinaus ist den Schuhen eine Infobroschüre beizulegen, die alle relevanten Informationen enthält (insbesondere zum Einsatzbereich, Pflege und Lebensdauer (soweit es eine zeitliche Begrenzung der Lebensdauer z. B. aufgrund von Alterung der Materialien gibt)).

Nähere Auskunft über die Eigenschaften, die Kennzeichnung und die beizulegenden Informationen sind u.a. der DIN EN ISO 20345 2012 zu entnehmen.

Normale Arbeitsschuhe haben einen elektrischen Durchgangswiderstand von 105 - 109 Ohm. Schuhe mit einem Durchgangswiderstand von 108 - 109 Ohm sind nicht geeignet.

Auskünfte über die Leitfähigkeit und die Einsatzbedingungen muss Ihnen der Hersteller (schriftlich geben lassen) geben können.

Normen können kostenpflichtig über den Beuth-Verlag bezogen werden.