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KomNet-Wissensdatenbank

Erkrankung durch Chemikalien in der Textil- und Bekleidungsindustrie

KomNet Dialog 2892

Stand:

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Gefährdungen > Gefährdungen durch bestimmte Stoffe / Zubereitungen

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Frage:

Ich habe einige Jahre in einer Textilfärberei gearbeitet. Meine Aufgaben bestanden darin, Stoffe (z.B. Natronlauge 50%, Essigsäure, Aufheller, Formaldehyd 15% Wasserstoffperoxid 35%) ohne Schutzmaske und Absauganlage abzuwiegen und in einer Flotte beizumischen. Diese Stoffe habe ich in dieser Zeit eingeatmet. Nach einiger Zeit bekam ich die ersten Beschwerden: Atemnot, starker Nasenfluß sowie Verlust des Geruchs- und Geschmackssinnes. Es bildeten sich in meinen Nasennebenhöhlen verstärkt Polypen und die Schleimhäute entzündeten sich. Heute leide ich unter chronischer Nasennebenhöhlenentzündung mit kompletten Verlust des Geruchs- und Geschmacksinnes und Asthma bronchiale. Kann es etwas mit meiner früheren Tätigkeit zu tun haben?

Antwort:

Der Umgang mit allergisierenden, chemisch-irritativen oder toxisch wirkenden Stoffen kann Atemwegserkrankungen (z.B. chronische Bronchitis) verursachen. Einige der von Ihnen genannten Chemikalien, z.B. Formaldehyd, gehören zu diesen Stoffen. Da anerkannt ist, dass der Umgang mit derartigen Stoffen geeignet ist, Atemwegserkrankungen zu verursachen, sind diese Erkrankungen unter den Ziffern 4301 und 4302 in der Berufskrankheitenliste (http://www.baua.de/down/bk-faltblatt.pdf) aufgeführt. Wir empfehlen Ihnen dringend, sich von Ihrem Betriebsarzt und Ihrem Hausarzt beraten zu lassen. Bei Verdacht auf eine Berufskrankheit werden diese Ärzte eine Berufskrankheitenanzeige erstatten. Im Zweifel kann auch der Unternehmer und können auch Sie selbst eine solche Anzeige bei der Berufsgenossenschaft oder bei der zuständigen Gewerbeaufsicht erstatten. Die Berufsgenossenschaft übernimmt dann von Amts wegen die erforderlichen Ermittlungen zu Ihrer Krankheit und zu den stattgehabten Arbeitsbedingungen. In der Regel muss ein arbeitsmedizinisches Zusammenhangsgutachten erstellt werden, da das Vorliegen einer Erkrankung und die vorangegangene Belastung mit schädigenden Stoffen zwar notwendig ist, jedoch nicht für die Anerkennung einer Berufskrankheit ausreicht. Stand: 12.11.2004