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KomNet-Wissensdatenbank

Stellen Fahrradrückleuchten mit Standlichtfunktion in Ex-Zone 2 ein Gefährdungspotential dar?

KomNet Dialog 2866

Stand: 20.12.2010

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

Dialog
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Frage:

Fahrradstandlicht und Ex-Zonen Ausgangslage: Mit einer der nächsten Novellierungen der StVZO erwarten wir für Fahrräder die Forderung nach Rückleuchten mit Standlichtfunktion. Wir haben in unserem Chemiewerk einzelne Ex-Zonen 2 mit geregeltem Durchfahrtsverbot. Unsere Fahrräder haben Dynamos, die allg. Strassenbeleuchtung ist nicht ex-geschützt, heisse Aufpuffanlagen an PKWs gibt es jede Menge. Das Durchfahrtsverbot wird, wie jedes andere Verbot, nicht 100%ig eingehalten. Frage: Stellen die voraussichtlich geforderten Rückleuchten mit Standlichtfunktion bezüglich Ex-Schutz ein Gefährdungspotential dar, für das ein generelles Standlichtverbot erforderlich ist?

Antwort:

Die BG Chemie hat im Jahre 1994 eine Untersuchungsreihe in Bezug auf Zündgefahren durch Armbanduhren, Hörgeräte, Taschenrechner und Mobilfunkgeräten in explosionsgefährdeten Bereichen der Zonen 1 und 2 durchgeführt (Siehe Zeitschrift „Sichere Chemiearbeit“, Ausg. Okt. 1994). Die Ergebnisse der Untersuchung sind sehr unterschiedlich. Z. B. können digitale und analoge Armbanduhren, sowie Kompaktohrhöhrgeräte in Ex-Bereichen der Zone 1 und 2 gefahrlos eingesetzt werden. Dagegen werden Fernbedienungen, Taschenrechner (auch solar betrieben) und Mobilfunktelefone sehr kritisch bewertet. Siehe auch die zwei Artikeln unter http://www.bgrci.de/exinfode/dokumente/aktuelles/ist-der-einsatz-von-armbanduhren-taschenrechnern-und-hoergeraeten-im-explosionsgefaehrdeten-bereich-moeglich/ und http://www.bgrci.de/exinfode/dokumente/aktuelles/mobile-funkgeraete-in-explosionsgefaehrdeten-bereichen/ .

Grundsätzlich kann jedes Gerät, welches eine eigene Stromquelle besitzt in einem explosionsgefährdeten Bereich eine Gefahrenquelle darstellen. Ob die bei einem Defekt des Gerätes möglicherweise freigesetzte Energie (z.B. Kurschlussspannung) ausreicht, eine Explosion auszulösen, kann aber pauschal nicht beantwortet werden. Hier ist es nötig die Hinweise der Gebrauchsanweisung zu dem Standlicht bzw. die Kennzeichnung auf dem Gerät zu beachten. Im Zweifelsfall muss beim Hersteller oder beim Vertreiber nachgeforscht werden.

Der Arbeitgeber/Betreiber ist verpflichtet im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung nach § 3 Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV ein Explosionsschutzdokument (§ 6 BetrSichV) für explosionsgefährdete Bereiche zu erstellen. In diesem Explosionsschutzdokument müssen die Explosionsgefährdungen ermittelt und bewertet werden. Hierzu kann es u.U. erforderlich sein für eine festgelegte explosionsfähige Zone die Mindestzündenergie, die zur Entzündung eines Gemisches erforderlich ist, zu ermitteln. Anhand dieses Explosionsschutzdokumentes kann dann eine Festlegung erfolgen, ob das Standlicht in explosionsgefährdeten Bereichen eine Gefahrenquelle darstellt und ob zusätzliche Schutzmaßnahmen zur Vermeidung der Gefahr ergriffen werden müssen.

Hinweis: Jegliche Zündquellen sind in explosionsgefährdeten Bereichen verboten bzw. zu verbieten (Nr. 2.4 Anhang 4 der Betriebssicherheitsverordnung).