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KomNet-Wissensdatenbank

Wie weit dürfen Fenster eines Büroraums mit Milchglasfolie abgeklebt werden?

KomNet Dialog 28437

Stand: 02.02.2017

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Sicherer Transport

Dialog
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Frage:

Mein (ständiger und einziger Bildschirm-) Arbeitsplatz befindet sich in einem ca. 5 * 6 m großen Büroraum, dessen Scheiben bis zu einer Höhe von 1,68 m mit Milchglasfolie abgeklebt sind. Darüber befindet sich ein 12 cm breiter Streifen ohne Abklebung, darüber sind die Scheiben bis zu einer Höhe von ca. 2 m wieder abgeklebt. Eine Sichtverbindung nach aussen ist mir somit auch stehend nicht möglich. Diese Abklebung ist eine Forderung der Informationssicherheit unseres Kunden (Geheimhaltung). Der Büroraum befindet sich im 2. OG, die nächste Bebauung/Nachbar ist über 300 m entfernt. Frage: Ist dieser Arbeitsraum nach neuer ArbStättV als ständiger Arbeitsplatz zulässung ("betriebsbedingt") und, wenn ja, ggf. unter welchen Auflagen?

Antwort:

Seit dem 03.Dezember 2016 ist die neue Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) in Kraft.

Danach darf der Arbeitgeber als Arbeitsräume nur solche Räume betreiben, die möglichst ausreichend Tageslicht erhalten und die eine Sichtverbindung nach außen haben (Anhang zur ArbStättV, Nr. 3.4).

Dies gilt nicht z. B. für Räume, in denen betriebs-, produktions- oder bautechnische Gründe Tageslicht oder eine Sichtverbindung nach außen entgegenstehen.

Räume, die bis zum 03. Dezember 2016 eingerichtet worden sind oder mit deren Einrichtung begonnen worden war und die die Anforderungen an Absatz 1 Satz 1 oder Absatz 2 von Nr. 3.4 des Anhangs zur ArbStättV nicht erfüllen, dürfen ohne eine Sichtverbindung nach außen weiter betrieben werden, bis sie wesentlich erweitert oder umgebaut werden.

Nach Ihrer Beschreibung ist der Tageslichteinfall in Ihrem Büroraum ausreichend. Ihre Bedenken beziehen sich vordergründig auf die abgeklebte Fensterfläche. Die Größe der Sichtverbindungsfläche in Arbeitsräumen ist aber in der Arbeitsstättenverordnung und den Technischen Regeln für Arbeitsstätten nicht genau definiert und festgeschrieben und muss somit im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festgelegt werden. Diesbezüglich gilt:

Der Arbeitgeber hat gemäß § 4 des Arbeitsschutzgesetzes bei Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter anderem von dem  folgendem allgemeinen Grundsatz auszugehen:
Er hat die Arbeit (dazu gehört auch der Arbeitsplatz) so zu gestalten, dass eine Gefährdung für das Leben sowie die physische und die psychische Belastung möglichst vermieden und die verbleibende Gefährdung möglichst gering gehalten wird.

Gemäß § 3 ArbStättV i.V.m. § 5 Arbeitsschutzgesetz hat Ihr Arbeitgeber durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung (dazu gehören auch physische und psychische Belastungen) zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind. Bei der Ermittlung hat er die Fachkraft für Arbeitssicherheit und einen Arbeitsmediziner und ggf. die Mitarbeitervertretung zu beteiligen.