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KomNet-Wissensdatenbank

Ist es richtig, wenn Kugellager mit Reinigungsbenzin gereinigt und danach mit Pressluft abgepustet werden?

KomNet Dialog 2827

Stand:

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Gefährdungen > Gefährdungen durch bestimmte Stoffe / Zubereitungen

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Frage:

Ich arbeite in einem Maschinenbau-Institut. Dort werden Kugellager seit Jahren auf eine Art und Weise gereinigt, die mir gesundheitlich gar nicht zusagt: Die mit Fett und Öl benetzten Kugellager werden in Reinigungsbenzin 100-140 mit einem einfachen Malerpinsel gereinigt und danach mit Pressluft abgepustet, damit keine Rückstände zurück bleiben. Dabei wird das Reinigungsbenzin so fein vernebelt, dass ich mich frage, welche Auswirkungen das Einatmen von diesen feinen Reinigungsbenzinpartikeln auf Dauer hat? Eine sinnvolle Lüftung gibt es dort (im Keller) nur, wenn das Fenster geöffnet ist, allerdings ziehen die ganzen Dämpfe in den Raum, statt raus. Mittlerweile gibt es sogar Chemikalienhandschuhe (vorher wurde mit Haushaltshandschuhen hantiert), aber ist nicht auch eine Atemmaske nötig? Auf dem Sicherheitsdatenblatt habe ich leider keine Warnungen bei längerer Benutzung entdeckt (eine andere Studentin arbeitet dort schon seit 3 Jahren). Wir kommen etwa 3 Stunden pro Woche mit dem Zeug in Kontakt. Können Sie mir mit Informationen weiterhelfen?

Antwort:

Reinigungsbenzin ist ein komplexes Kohlenwasserstoffgemisch, das nicht zum Betrieb eines Kraftfahrzeuges vorgesehen ist. Demzufolge fehlen diesem Benzin die kritischen Additive wie z. B. Bleitetraäthyl zur Erhöhung der Klopffestigkeit. Bestimmende Schadstoffe in dem von Ihnen beschriebenen Nebel sind daher die Kohlenwasserstoffe, die eingeatmet werden können. Durch die Verabschiedung der neuen Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) sind dieTechnischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) ungültig geworden und können nur noch insoweit als Beschreibung des gegenwärtigen Standes der Technik herangezogen werden als sie nicht der GefStoffV widersprechen. Unter dieser Prämisse kann für die Beurteilung die TRGS 901 herangezogen werden.
Die entsprechenden Luftgrenzwerte liegen hier zwischen 100 und 1000 mg/m³ bzw. 20 und 200 ppm. Da Sie das Reinigungsbenzin nicht näher beschrieben haben, sollte bei der Beurteilung der Situation von dem niedrigsten Wert ausgegangen werden. Grundsätzlich gilt, dass der Arbeitgeber, der mit Gefahrstoffen umgehen lässt, für die Einhaltung der notwendigen Schutzmaßnahmen verantwortlich ist. In Ihrem Fall sollte in einem Gespräch mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit der Hochschule die Situation angesprochen und auf der Grundlage der vorstehenden Ausführungen geklärt werden. Generell ist jedoch die Verwendung von Reinigungsbenzin als Reinigungsmittel oder ein Ausblasen der damit gereinigten Kugellager mit Druckluft gesetzlich nicht verboten.
In Ihrem Fall ist die tatsächlich vorliegende Belastung der Atemluft am Arbeitsplatz über kostengünstige einfache und ausreichend erprobte Messverfahren nach TRGS 402 von Ihrem Arbeitgeber festzustellen. Dabei sind studentische Hilfskräfte oder auch Studentinnen oder Studenten Arbeitnehmern gleichgestellt. Die Bewertung der Messergebnisse erfolgt nach TRGS 403. Sollten Sie keine Sensibilität für Ihr Problem bei Ihrem Arbeitgeber feststellen, könnte unter Einschaltung des Personalrates auch eine Beteiligung der zuständigen staatlichen Arbeitsschutzverwaltung in Betracht gezogen werden.