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KomNet-Wissensdatenbank

Muss bei einer Aufzugsanlage aus dem Jahr 1985 ein Notbremsschalter nachgerüstet werden?

KomNet Dialog 2807

Stand:

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Aufzugsanlagen

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Frage:

Bei unserer Aufzugsanlage aus dem Jahr 1985 wurde durch unsere Wartungsfirma bemängelt, dass in der Schachtgrube kein Notbremsschalter vorhanden sei. Ein solcher Notbremsschalter wird nach DIN EN 81-1, 5.7.3.4 a) Ausgabe Mai 2000 gefordert. Haben wir nun die Pflicht, einen solchen Notbremsschalter nachträglich zu installieren oder gibt es einen gewissen Bestandschutz bzw. eine Übergangsfrist für unseren Aufzug, bei dessen Bau eine solche Pflicht nicht bestand? In den technischen Regeln (TRA 200) wird ein solcher Notbremsschalter ebenfalls nicht gefordert.

Antwort:

Die Nachrüstung eines Notbremsschalters in der Schachtgrube ist zunächst nicht erforderlich, da nach § 27 Abs.3 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) die bisher geltenden Beschaffenheitsanforderungen maßgebend sind. Die zuständige Behörde (in NRW: das Staatliche Amt für Arbeitsschutz) kann allerdings im Einzelfall eine Änderung verlangen. Es ist aber zu beachten, dass der Arbeitgeber bei der von ihm durchzuführenden Gefährdungsbeurteilung auch eine sicherheitstechnische Bewertung der Aufzugsanlage durchführen muss. Hierbei muss die konkrete Situation vor Ort, d.h. der jeweilige Einzelfall, beurteilt werden. Dabei hat er auch die Hinweise der Wartungsfirma zu berücksichtigen. Sollte der Arbeitgeber im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung bzw. sicherheitstechnischen Bewertung zu dem Ergebnis kommen, dass ein Notbremsschalter erforderlich ist, muss er einen solchen nachrüsten. 

Weiter Informationsquellen:

TRBS 1111 "Gefährdungsbeurteilung und sicherheitstechnische Bewertung"

LASI-Leitlinie zur BetrSichV LV35