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Welcher Abstand muss zu Behältern mit einer radioaktiven Füllstandsmessung (Cäsium 137) gehalten werden, wenn in der Umgebung gearbeitet wird?

KomNet Dialog 27711

Stand: 20.10.2016

Kategorie: Physikalische Belastungen und Beanspruchungen > Ionisierende Strahlung > Röntgeneinrichtungen, Störstrahler

Dialog
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Frage:

Wir haben an verschiedenen Behältern eine radioaktive Füllstandsmessung (Cäsium 137). Können Sie mir sagen, welche Abstände zum Strahler bei Arbeiten in der Umgebung eingehalten werden müssen?

Antwort:

Die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) teilt Bereiche rund um Strahlenquellen ein in sog.

  • Überwachungsbereiche
  • Kontrollbereiche
  • Sperrbereiche (die immer auch Teil des Kontrollbereichs sind).
Maßstab für diese Einteilung ist die Dosis, die eine Person dort innerhalb eines Jahres erhalten kann. Die Regelungen findet man in § 36 StrlSchV. Diese Einteilung vereinfacht es, bestimmte Regelungen daran festzumachen, welche Strahlenexposition in bestimmten Bereichen möglich ist. Zu diesen Regelungen gehören z. B. die Zutrittsbeschränkungen in § 37 StrlSchV. Weiterhin gehört dazu die Vorschrift, dass an Personen, die sich im Kontrollbereich aufhalten, die Personendosis zu ermitteln ist (§ 40 StrlSchV).

Wenn es nun darum geht, welchen Abstand jemand von einer radiometrischen Füllstandsmesseinrichtung haben muss, muss man zunächst wissen, wie groß die Strahlenschutzbereiche rund um die Strahlenquelle sind. Hierbei helfen die Hersteller solcher Einrichtungen mit sog. Isodosenkurven oder Isodistanzkurven (Diese sehen ähnlich aus wie die Linien der Isobaren, die man von der Wetterkarte kennt). Ihnen kann man entnehmen, in welcher Entfernung von der Strahlenquelle man mit welcher Dosisleistung (µSv/h) zu rechnen hat. Diese Linien haben - abhängig von der Geometrie der Quelle und ihrer Abschirmung - einen recht unregelmäßigen Verlauf. Die Linie, die für eine Dosisleistung von 3 µSv/h steht, kennzeichnet üblicherweise die Ausdehnung des Kontrollbereichs.*)

Und nun kommt es darauf an, welche Person in der Umgebung der Quelle arbeitet. Denn wenn diese sich dabei im Kontrollbereich aufhalten muss (weil genau neben dem Quellenbehälter z. B. eine Flanschdichtung ausgetauscht werden oder ein schadhafter Korrosionsschutz ausgebessert werden muss), muss sie personendosimetrisch überwacht sein (s. o. § 40 StrlSchV). Andere Personen dürfen nicht innerhalb des Kontrollbereichs tätig werden, sondern nur diesseits der 3 µSv/h - Linie. Diesen Bereich nennt die Strahlenschutzverordnung "Überwachungsbereich", und darin dürfen sich auch nicht überwachte Personen aufhalten, wenn sie denn "darin eine dem Betrieb dienende Aufgabe wahrnehmen" (§ 37 StrlSchV).
Erst außerhalb des Überwachungsbereiches, also dort, wo laut StrlSchV die Jahresdosis max. 1 mSv pro Jahr betragen kann, gibt es keinerlei Zutrittsbeschränkungen mehr.

Man kann also die Frage nach dem erforderlichen Abstand nicht pauschal beantworten. Die eine der zur Beantwortung entscheidenden Information, nämlich die Ausdehnung der Strahlenschutzbereiche, die von Dicke und Geometrie der Abschirmung und auch von der Aktivität der Quelle abhängt, kann der Strahlenschutzbeauftragte in aller Regel aus den Herstellerunterlagen entnehmen. Die zweite Information, nämlich ob das Personal dosimetrisch überwacht ist, ist ja innerbetrieblich bekannt.


*)In der StrlSchV heißt es: "Maßgebend bei der Festlegung der Grenze von Kontrollbereich oder Überwachungsbereich ist eine Aufenthaltszeit von 40 Stunden je Woche und 50 Wochen im Kalenderjahr, soweit keine anderen begründeten Angaben über die Aufenthaltszeit vorliegen." Die genannten 3 µSv/h als Dosisleistung an der Kontrollbereichsgrenze ergeben sich aus der Jahresdosis von 6 mSv (= 6000 µSv) dividiert durch 2000 Stunden (h), die sich aus 50 Wochen á 40 Stunden ergeben. In einem gewissen Umfang kann man bei der Ziehung der Kontrollbereichsgrenze sicher die tatsächliche Aufenthaltsdauer in der Umgebung der Quelle berücksichtigen. Allerdings ist auch das Minimierungsgebot aus § 6 Abs. 2 StrlSchV zu beachten, das die Vermeidung einer jeden unnötigen Strahlenexposition auch unterhalb von vorgegebenen Grenzwerten fordert. Somit ist man gut beraten, den Kontrollbereich so abzugrenzen, dass der Zutritt nicht dosimetrisch überwachter Personen ausgeschlossen ist. Und auch der Überwachungsbereich sollte so abgegrenzt sein, dass man ihn "auf dem Weg zur Kantine" nicht kreuzen muss.