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KomNet-Wissensdatenbank

Wie hoch sind die aktuellen Arbeitsplatzgrenzwerte für Ölnebel aus Mineral- und Synthetiköl?

KomNet Dialog 27401

Stand: 07.09.2016

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Zulässige Belastungen > Grenzwerte

Dialog
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Frage:

Wir setzen in unseren Industriegasturbinen Mineral- und Synthetiköle als Schmierstoff ein. Dabei entsteht Ölnebel. Wie hoch sind die aktuellen Arbeitsplatzgrenzwerte für Ölnebel aus Mineral- und Synthetiköl? Die Sicherheitsdatenblätter empfehlen "geeigneten" Atemschutz. Welcher Atemschutz bzw. welche Filter sind bei kurzzeitiger Exposition denn "geeignet"?

Antwort:

In Deutschland existiert zumindest kein Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) für Mineralöle oder gar Synthetiköle. In der TRGS 900 finden sich jedoch verschiedene AGW für Kohlenwasserstoffe bzw. verschiedene Gruppen von Aliphaten (z.B. C5-C8 Aliphaten).

Die Stoffe (auch etwaige Additive) sind einzeln zu betrachten. Dem Sicherheitsdatenblatt muss man die Zusammensetzung der Produkte entnehmen können.

Des Weiteren kann man als Hilfsmittel zur Beurteilung auch gesundheitsbasierte Werte anderer Staaten heranziehen, um die Forderungen des § 7 Abs. 4 Gefahrstoffverordnung (eine Gefährdung der Gesundheit der Beschäftigten ist auszuschließen) zu beurteilen.

Unter anderem in den USA, Australien, den Niederlanden aber auch Belgien, gibt es für Mineralöle einen Luftgrenzwert am Arbeitsplatz von 5 mg/m³ als Schichtmittelwert. Andere Staaten wie Dänemark haben einen strengeren Wert von 1 mg/m³.

Für Kurzzeitwerte gibt es u.a. auch aus den USA einen Wert von 10 mg/m³.

Auskunft über Grenzwerte und Beurteilungshilfen anderer Staaten gibt in übersichtlicher Form das Informationssystem für gefährliche Stoffe (IGS) des Landesamtes für Natur, Umweltschutz und Verbrauchersicherheit unter www.stoffliste.de (dort reicht der Zugang „public“ ohne Registrierung, um diese Daten einsehen zu können). Unter „Regelungen --> Arbeitsplatzgrenzwerte“ finden sich dort diese Angaben.

Diese Datenbank entbindet selbstverständlich nicht von der Pflicht, sich selbst über Einschränkungen, Begründungen etc. für diesen Wert kundig zu machen, gibt aber eine schnelle Hilfe, wo man solche Informationen erlangen kann.

Im Sicherheitsdatenblatt muss die Information über geeignete Persönliche Schutzausrüstung angegeben sein. Die vielmals zitierte Verwendung von „geeignete PSA verwenden“ reicht hierbei nicht.

Gemäß Änderungsverordnung des Anhang 2 der REACH-Verordnung Abschnitt 0.2.1 muss das Sicherheitsdatenblatt die Verwender in die Lage versetzen, die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Sicherheit am Arbeitsplatz zu ergreifen. In Punkto Atemschutz wird unter 8.2.2.2 der genannten Änderungsverordnung wird konkretisiert, dass für den Atemschutz die Art der zu verwendenden Schutzausrüstung anzugeben ist und dabei auf Atemschutzmasken samt dem passenden Filter , den geeigneten Partikelfiltern und geeigneten Masken einzugehen ist.

Hier müssen Sie den Lieferanten/die Lieferanten auffordern, das Sicherheitsdatenblatt zu aktualisieren und Ihnen die Informationen, welcher Atemschutz geeignet ist, zukommen zu lassen.

Sollte sich der Lieferant nicht einsichtig zeigen, bleibt noch die Möglichkeit, sich an die für die Chemikaliensicherheit zuständige Behörde in Ihrem Kreis zu wenden.

An erster Stelle steht jedoch der Kontakt von Ihnen zum Inverkehrbringer selbst.