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Welche Sicherheitsmaßnahmen bzgl. des Explosionsschutzes (in einer Gasübergabestation) sind notwendig, wenn der Boden abgeschliffen wird?

KomNet Dialog 2729

Stand:

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

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Frage:

Durch einen Malerbetrieb soll in einer Gasübergabestation für einen Industriebetrieb der Bodenbelag erneuert werden. Es handelt sich dabei um einen begehbaren Raum von 76,5 m² Grundfläche. Über die Gasinstallation ist leider noch nichts bekannt (Eingangsdruck, Atmungsventile?). Welche Sicherheitsmaßnahmen bzgl. des Explosionsschutzes sind notwendig, wenn der Boden vor der Erneuerung abgescliffen werden muss? In der Angebotsabgabe muss dies berücksichtigt werden.

Antwort:

Vor Arbeitsaufnahme muss geklärt werden wie und mit welchem Ergebnis die Betrachtung der Explosionsgefahr und die daraus resultierende Zoneneinteilung in der Gasübergabestation durch den Betreiber erfolgt ist. Die Betrachtung wird üblicherweise im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung durchgeführt. Diese Betrachtung der Explosionsgefahren mündet in einem Explosionsschutzdokument - § 6 Betriebssicherheitsverordnung. Das Explosionsschutzdokument gibt Auskunft über die ermittelten und bewerteten Explosionsgefahren und die Zoneneinteilung (Ex-Zonenplan).

Die anzuwendenden Sicherheitsmaßnahmen ergeben sich dann verbindlich aus dem o.g. Dokument. Neben den technischen Anforderungen sind hier auch Fragen zu:
- Arbeitsfreigabeverfahren (Erlaubnisschein, Gasfreimessung)
- Koordinierung von Arbeiten (Bestellung Koordinator, Weisungsbefugnis)
- Anweisungen und Unterweisungen
beschrieben.

Sollten hierüber keine aussagekräftigen Unterlagen vorliegen, müssen diese Punkte mit dem Auftraggeber abgeklärt werden und als Vertragsbestandteil festgeschrieben werden.
Die Festlegung der Sicherheitsmaßnahmen kann analog der Beispielsammlung der Explosionsschutz-Regeln Ex-RL (BGR 104, ehemals ZH 1/10) erfolgen. Die berufsgenossenschaftliche Regel können Sie bei ihrer zuständigen Berufsgenossenschaft anfordern oder im Internet unter http://publikationen.dguv.de  einsehen. Mittlerweile sind zahlreiche Regelungen der BGR 104 aktualisiert und in Technischen Regeln für Betriebssicherheit - TRBS niedergeschrieben worden. Die veröffentlichten Regeln finden sie unter http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Anlagen-und-Betriebssicherheit/TRBS/TRBS.html__nnn=true.

Unter Umständen ist entsprechend der Räumlichkeit und der Ausführung der Anlage der gesamte Raum als Zone 2 oder auch nur Bereiche um die Apparate als Zone 2 anzusehen. Das bedeutet, dass in den entsprechenden Zonen Zündquellen, die ständig oder häufig auftreten können (z.B. beim Normalbetrieb der Arbeitsmittel) vermieden werden müssen. Eingesetzt werden dürfen nur Arbeitsmittel, die für die entsprechende Zone zugelassen sind. Erkennbar an der Gerätekennzeichnung z.B. Ex-Symbol II 3 G.
Für Schleifarbeiten in der Zone 2 ist es gem. den Ex-RL (Ziffer E 2.3.3) jedoch ausreichend, wenn Funken, Abrieb, Wurfstücke durch geeignete Maßnahmen vermieden oder abgeschirmt werden (z.B. durch Wasserkühlung an der Schleifstelle oder durch Ableitung in eine Wasservorlage).
Sollten diese Maßnahmen nicht möglich sein und der Schutz vor Explosionsgefahren noch nicht ausreichen, ist ggf. die kurzfristige (Teil-) Außerbetriebnahme zu betrachten.
Für konkrete Hilfe im Einzelfall wenden Sie sich bitte direkt an die staatliche Arbeitsschutzverwaltung. In NRW erreichen Sie die zust. Dezernate der Bezirksregierungen unter http://www.arbeitsschutz.nrw.de/Service/ansprechpartner_beratung/bezirksregierungen/index.php .