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KomNet-Wissensdatenbank

Wann gelten Gebinde als technisch Dicht?

KomNet Dialog 26872

Stand: 22.06.2016

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (1.4.4)

Dialog
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Frage:

In der TRGS 510 (Anlage 5 Pkt. 2 (3)) wird von geschlossen, technisch dichten Gebinden gesprochen. Wann gelten Gebinde (Kanister unterschiedlicher Größe und 200l Fass) als technisch Dicht? Sind Gebinde, die durch den Nutzer geöffnete und wieder geschlossene worden ist, weiterhin als technisch dicht zu bewerten? Gelten Nachfüllgebinde (Bsp. Benzinkanister) als technisch dicht?

Antwort:

Technische Dichtheit von Gebinden oder Anlagen(komponenten) wird unterschieden in die beiden Formen "technisch dicht" und "auf Dauer technisch dicht".

Ob eine Anlage oder ein Lagerbehälter als technisch Dicht anzusehen ist, hängt ab von der Bauart und den verwendeten Komponenten. Die Antwort, welche Form der Dichtheit vorliegt, ergibt sich aus der TRGS 500. Die Anlage 2 zur TRGS 500 nennt beispielhafte "Verfahrensindizes" von 0,25 bis 4 abgestuft, die zu einem entsprechenden Beurteilungsergebnis führen.

Die technische Dichtheit ist weiterhin als gegeben zu bewerten, wenn nach dem Öffnen und erneuten Verschließen eine für den jeweiligen Anwendungsfall geeignete Dichtheitsprüfung erfolgt ist, bei der keine Undichtheiten festgestellt werden konnten.

Die TRGS 509 beschreibt in Abschnitt 2 Absatz (3), dass hierfür entweder konstruktive Maßnahmen gegeben sein müssen oder alternativ durch Instandhaltung und Überwachung dieser Zustand hergestellt werden kann. Im Absatz (4) wird die technische Dichtheit so beschrieben, unter Verweis auf die TRBS 2152 Teil 2, dass eine für den Anwendungsfall geeignete Dichtheitsprüfung zu erfolgen hat, bei der keine Undichtheiten festgestellt werden können.

Diese Prüfung der Dichtheit kann manuell, z. B. mit schaumbildenen Mitteln, geprüft werden oder aber durch eine geeignete technische Überwachung wie etwa durch geeignete Lecksuchgeräte, z.B. für brennbare Flüssigkeiten oder Gase (Gaswarngeräte im Sinne der 2014/34/EU).

Der Unterschied zu auf Dauer technisch dichten Komponenten besteht darin, dass in geschlossenen Räumen im Sinne der TRGS 509 bei auf Dauer technischer Dichtheit keine Zone 2 deklariert werden braucht (Vermutungswirkung).

Beim Benzinkanister ist also die Dichtheit wie oben beschrieben zu prüfen und festzustellen. Bei der reinen passiven Lagerung in für den Transport geeigneten verschlossenen Behältern (ADR) wird in geschlossenen Räumen eine Zone 2 bereits bei Sicherstellung eines nur zweifachen Raumluftwechsels pro Stunde vermieden. Bei Lagerung im Freien kann eine Zoneneinteilung entfallen.

Hinweise:
Bei der passiven Lagerung sind die gefahrgutrechtlich zulässigen Transportbehälter dicht verschlossen und dürfen während des Aufbewahrens im Lager weder befüllt noch entleert noch zu sonstigen Zwecken geöffnet werden.

Aktive Lagerung hingegen ist das Aufbewahren entzündbarer, leicht entzündbarer und extrem entzündbarer Flüssigkeiten in Tankcontainern oder ortsbeweglichen Gefäßen, die am Ort ihrer Lagerung ortsfest als Entnahme- oder Sammelbehälter benutzt oder zu sonstigen Zwecken geöffnet werden.