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KomNet-Wissensdatenbank

Gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse über Pausenregelungen in Bereichen, in denen intensive Prüf- und Kontrollarbeiten durchgeführt werden?

KomNet Dialog 2653

Stand: 22.01.2015

Kategorie: Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen > Arbeitszeitberatung und -gestaltung > Pausenregelungen

Dialog
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Frage:

Ich betreue als Betriebsarzt eine Firma, die Leiterplatten herstellt. Hierbei fallen im Rahmen des QM intensive Kontroll- und Prüfarbeiten, teils am Bildschirm, teils mit Lupe oder Mikroskop, an. Gibt es wissenschaftliche Untersuchungen bzw. Grundlagenerkenntnisse über ein Pausenregime bei solchen Prüfarbeiten, die zum einen den Mitarbeitern zu Gute kommen und zum anderen auch die Qualität der Prüfarbeit hoch halten.

Antwort:

Bei Prüf- und Kontrollarbeiten gibt es grundsätzlich immer die Gefahr von Überforderung (z.B. zu komplexe Entscheidungsmechanismen in zu kurzer Zeit), aber genauso auch Gefahren durch Unterforderung (monotone Beobachtungsvorgänge ermüden u.U. extrem). Ob dem so ist, kann nur durch eine Beurteilung der spezifischen Gefährdungen und Belastungen am Arbeitsplatz erfolgen. Zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen ist der Arbeitgeber nach § 5 Arbeitsschutzgesetz verpflichtet.

Die von Ihnen beschriebenen Kontroll- und Prüfarbeiten könnten mit den in der Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) beschriebenen Tätigkeiten vergleichbar sein. Somit kann sich auch bzgl. der Pausenregelungen nach den Anforderungen der BildscharbV (§ 5) gerichtet werden, d.h. es sollten regelmäßige (bezahlte) Arbeitsunterbrechungen zum Zwecke der Rückbildung beanspruchungsbegründeter Verschlechterungen von Organ- bzw. Organismuseigenschaften eingestreut werden.

Bei den Pausenregelungen ist ökonomischen und ergonomischen Forderungen zu entsprechen: Pausendauer, zeitliche Lage der Pausen, Zeitabstände zwischen den Pausen, Pausennutzung (keine Tätigkeit im Nahsehbereich!), Art der Pausenauslösung (eigeninitiativ oder fremdinitiiert).

Durch Kurzpausen kann die Leistungsfähigkeit gehalten und einer vorzeitigen Ermüdung entgegengewirkt werden. Werden Pausen sinnvoll genutzt, so können Beeinträchtigungen der Augen und der Muskulatur (Haltearbeit) aufgehoben werden, z.B. durch Ausgleichsübungen oder Augenentspannung. Mehrere kurze Pausen haben einen höheren Erholungswert als wenige längere Pausen - in Abhängigkeit von der Art der Tätigkeit werden 5- bis 10-minütige Kurzpausen empfohlen. In den ersten Minuten einer Pause ist der Erholungswert am höchsten, daher sind wiederholte Kurzpausen günstiger. Regelmäßige Kurzpausen verhindern die Ermüdung und erhalten somit Aufmerksamkeit und Konzentration. Es empfiehlt sich, zum Arbeitsende hin die Anzahl der Kurzpausen zu erhöhen!

Gute Hilfestellungen bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen sowie zur Gestaltung der Arbeitsunterbrechungen bzw. Pausen enthält die vom Länderausschuss für Arbeitssicherheit (LASI) herausgegebene „Handlungsanleitung zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen bei der Bildschirmarbeit“ (LV 14) sowie die zugehörige Broschüre „Bildschirmarbeitsverordnung -Auslegungshinweise zu den unbestimmten Rechtsbegriffen“. Sie finden sie im Internet unter http://lasi.osha.de/publications -> LASI-Veröffentlichungen.

Hinweis:
An den von Ihnen beschriebenen Arbeitplätzen sollten keine Probanden mit einem Strabismus divergens (Außenschielwinkel) eingesetzt werden.