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Ist eine arbeitsmedizinische Untersuchung auch dann zu veranlassen, wenn Arbeitnehmer innerhalb der letzten 20 Jahre nur 1-2 x Asbestkontakte hatten?

KomNet Dialog 26347

Stand: 08.04.2016

Kategorie: Gesundheitsschutz > Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb

Dialog
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Frage:

Beschäftigte eines Installationsbetriebes hatten innerhalb der letzten 20 Jahre 1-2 x Asbestkontakt (Abbruch von alten Anlagen). Ist aufgrund dieses Kontakts weiterhin arbeitsmedizinische Vorsorge als Pflicht- oder Angebotsvorsorge zu veranlassen?

Antwort:

Die arbeitsmedizinische Vorsorge bei Tätigkeiten mit Asbest ist in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) geregelt.

Asbest ist im Anhang zur ArbMedVV Teil 1 Abs.1 Nr.1 unter den Stoffen aufgeführt, die eine Pflichtvorsorge auslösen, u.a. wenn eine wiederholte Exposition nicht ausgeschlossen werden kann und der Gefahrstoff ein krebserzeugender Stoff der Kategorie 1 und 2 im Sinne der GefStoffV ist. Somit ist ganz klar eine Pflichtvorsorge zu veranlassen, sobald eine wiederholte Exposition mit Asbest nicht auszuschließen ist. Ist eine wiederholte Exposition auszuschließen, eine Exposition ist aber dennoch möglich (z.B. einmalig) so trifft Anhang ArbMedVV Teil 1 Abs. 2 Nr. 1 zu: "Angebotsvorsorge ist anzubieten bei 1. Tätigkeiten mit den in Absatz 1 Nr. 1 genannten Gefahrstoffen, wenn eine Exposition nicht ausgeschlossen werden kann und der Arbeitgeber keine Pflichtvorsorge zu veranlassen hat...."

Zur Info: Die in der Anlage 1 der Bekanntmachung 910 (BeKGS 910 "Risikowerte und Expositions-Risiko-Beziehungen für Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen") dargelegten Empfehlungen zur Durchführung einer Pflichtvorsorge bei einem mittleren und hohen Risiko und zur Durchführung von Angebotsvorsorge bei einem niedrigen Risiko finden sich in der TRGS 910 in dieser Form nicht mehr. Diese Empfehlungen des Ausschusses für Gefahrstoffe (AGS) aus der Bekanntmachung 910 waren rechtlich auch nicht verbindlich.

Die TRGS 910 "Risikobezogenes Maßnahmenkonzept für Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen" verweist in Bezug auf arbeitsmedizinische Vorsorge lediglich auf die ArbMedVV und die dazu veröffentlichten Arbeitsmedizinischen Regeln.

Im konkreten Fall bedeutet dies: Wenn ein wiederholter Asbestkontakt nicht ausgeschlossen werden kann, ist Pflichtvorsorge erforderlich. Bei einem einmaligen Asbestkontakt (Exposition kann nicht ausgeschlossen werden) ist Angebotsvorsorge anzubieten. Nach Beendigung der Beschäftigung ist nachgehende Vorsorge als Angebotsvorsorge anzubieten.

Anmerkung:
Auch in Kenntnis des Berufskrankheitengeschehens macht dieses Vorgehen Sinn, da auch vereinzelte und geringe Expositionen durchaus zu teilweise entschädigungspflichtigen Krebserkrankungen führen können.