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KomNet-Wissensdatenbank

Ist ein Arbeitsplatz in einem Raum erlaubt, der gleichzeitig als Pausenraum und Materiallager genutzt wird?

KomNet Dialog 2624

Stand: 13.11.2015

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Büroarbeitsplätze

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Frage:

Ein Raum der 41 qm groß ist, an zwei Seiten umlaufende Fenster und in einer Ecke eine Zugangstür hat, ist als Materialraum eingerichtet. Er ist überwiegend mit Stahlregalen ausgestattet, wo große Mengen Bücher, Broschüren und Mappen gelagert werden. Alle Mitarbeiter/innen des Bereichs (ca. 20) haben einen Schlüssel zu diesem Raum und betreten ihn häufig. Zugleich dient dieser Raum als Pausenraum für drei Mitarbeiter/innen, die ansonsten an einer Kundentheke arbeiten und anders keine Möglichkeit haben. Ein Kühlschrank, ein kleiner Bistrotisch und zwei Stühle stehen zur Verfügung. Nun hat man aus Platznot im hinteren Teil (noch hinter den Regalsystemen in einer Ecke) einen Bildschirmarbeitsplatz eingerichtet, der durch einen quer stehenden Schrank notdürftig vom übrigen Raum abgetrennt ist. Das Umfeld besteht aus unzähligen Kartons und Materialien aller Art. Die Mitarbeiterin stört der penetrante Geruch der diversen Materialien sowie die dauernden Störungen durch die übrigen Mitarbeiter, die Materialien holen, bringen etc. Ist dieser Bildschirmarbeitsplatz als Arbeitsplatz im Rahmen der geltenden Gesetze erlaubt?

Antwort:

Ein Raum ist nach übereinstimmender Ansicht als Arbeitsraum im Sinne der Arbeitstsättenverordnung -ArbStättV- anzusehen, wenn mindestens ein ständiger Arbeitsplatz im Raum eingerichtet ist. Der ständige Arbeitsplatz dient dazu, den Arbeitsraum eindeutig gegen die anderen Räume eines Betriebes (z.B. Lager-, Maschinen- und Versorgungsräume) abzugrenzen. Für den Arbeitgeber hat das insofern Bedeutung, als in der ArbStättV an den Arbeitsraum zusätzliche weitergehende Anforderungen gestellt werden (z.B. Lüftung, Raumtemperaturen, Belichtung und Beleuchtung, Beseitigung unzuträglicher Gase, Dämpfe usw.). Die Bedeutung einer guten, gesunden Luftqualität in Innenräumen steht heute außer Zweifel und wird in Ziffer 3.6 des Anhangs zur ArbStättV geregelt, Konkretisierung durch die ASR A3.6 "Lüftung". Die Qualität der Innenraumluft muß die Qualität der Außenluft haben.

Hinsichtlich der Verquickung von Pausenraum und Arbeitsraum regeln § 6 ArbStättV sowie Ziffer 4.2 des Anhangs zu ArbStättV  die Anforderungen, die an Pausenräume zu stellen sind. Zur Konkretisierung kann die ASR A4.2 "Pausen- und Bereitschaftsräume" herangezogen werden. Werden mehr als 10 Arbeitnehmer beschäftigt, ist ein gesonderter Pausenraum zur Verfügung zu stellen. Das gilt nur dann nicht, wenn die Arbeitnehmer in Büroräumen oder vergleichbaren Arbeitsräumen beschäftigt sind und dort die Vorausetzungen für eine gleichwertige Erholung während der Pausen gegeben sind. Inwieweit der in der Fragestellung geschilderte Arbeitsplatz/Bildschirmarbeitsplatz den Anforderungen entspricht, ist vom Arbeitgeber durch eine Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitschutzgesetz zu ermitteln. Anhand der beschriebenen Zustände wird von hier aus bezweifelt, dass die Anforderungen der ArbStättV erfüllt werden.