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KomNet-Wissensdatenbank

Fragen zum erlaubten Einsatz Schwangerer in der Nuklearmedizin

KomNet Dialog 26212

Stand: 19.03.2016

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

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Frage:

In der Nuklearmedizin dürfen Schwangere im Umgang mit Radionukliden gemäß § 55 Abs.(4) S.2 StrSchV nur eingesetzt werden, wenn der Dosisgrenzwert aus innerer und äußerer Strahlenexposition während der Schwangerschaft bis zur Geburt die Dosis 1 Millisievert nicht übersteigt. 1. Ist ein Einsatz von Schwangeren im OP (Ärzte oder pflegerisches/technisches Personal) bei einer nuklearmedizinischen Wächter-Lymphknoten-Diagnostik bzw. Sentinel-Lymphonodektomie erlaubt? Welche Schutzmaßnahmen sollten getroffen werden? 2. Ist ein pflegerischer Umgang durch Schwangere mit o.g. Patienten nach der OP möglich?

Antwort:

Der pflegerische Umgang von Schwangeren mit Patienten, denen radioaktive Substanzen verabreicht wurden, ist nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen möglich und sollte möglichst unterbleiben.

Im Einzelnen:

Mutterschutz werdender und stillender Mütter durch spezifische, berufliche Gefährdungen haben ihre Rechtsgrundlagen in unterschiedlichen Gesetzen und Verordnungen, wie u.a. im Mutterschutzgesetz (MuSchG), in der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz  (MuSchArbV), in der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) und Röntgenverordnung (RöV).
 
Bevor werdende oder stillende Mütter eine Tätigkeit ausüben, ist nach § 1 MuSchArbV eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen (Gefährdungsbeurteilung) durch den Arbeitgeber vorzunehmen.
 
Auch hat der Arbeitgeber sicher zu stellen, dass durch die berufliche Tätigkeit keine schädlichen Einwirkungen und keine gesundheitliche Gefährdungen  für die Schwangere und das ungeborene Kind bestehen.
 
Der Schutz vor ionisierenden Strahlen ist u.a. in § 4 Abs. 1 Mutterschutzgesetz (MuSchG) in Verbindung mit § 37 Abs. 1 Nr. 2 der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) bzw. § 22 Abs. 1 Nr. 2 Röntgenverordnung (RöV)  geregelt.
 
Nach § 43 Abs. 2 StrSchV hat der Arbeitgeber dafür Sorge zu tragen, dass eine innere beruflich bedingte Strahlenexposition ausgeschlossen ist. Es ist also sicherzustellen, dass die Schwangere nicht mit Patienten und deren Ausscheidungen in Kontakt kommt, denen radioaktive Substanzen verabreicht wurden.
 
Je nach applizierter Radionuklid-Dosis kann bis zu 3 Meter um den Patienten ein temporärer Kontrollbereich entstehen, dessen Zutritt nach § 37 Abs. 1 Punkt 2d StrlSchV für Schwangere nur unter bestimmten Voraussetzungen und unter Einhaltung des Dosisgrenzwertes nach § 55 Absatz 4 Satz 2 StrSchV und dessen Dokumentation erlaubt ist.
Das wichtigste Instrument zum Schutz der Schwangeren und des ungeborenen Kindes ist die Gefährdungsbeurteilung für die konkrete Tätigkeit.