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KomNet-Wissensdatenbank

Sind Leitern mit runden Stufen gesetzlich verboten?

KomNet Dialog 25616

Stand: 24.12.2015

Kategorie: Sichere Produkte > Beschaffenheit von Arbeitsmitteln / Einrichtungen > Allgemeine Beschaffenheitsanforderungen

Dialog
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Frage:

Sind Leitern mit runden Stufen gesetzlich verboten? Wenn ja, nach welcher Rechtsgrundlage?

Antwort:

Nach unserer Auffassung sind Leitern mit runden Sprossen nicht verboten.

Leitern sind Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV. Für die jeweils auszuführenden Arbeiten kann der Arbeitgeber unter Berücksichtigung von Sicherheit und Gesundheitsschutz seiner Beschäftigten im Rahmen der Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung eigenverantwortlich ermitteln und festlegen, welche Art von Leitern für diese Arbeiten jeweils die geeignetste ist. Folgendes Verfahren hat der Gesetzgeber hierzu vorgesehen:

Gemäß § 5 Arbeitsschutzgesetz - ArbSchG - i. V. m. § 3 der BetrSichV ist der Arbeitgeber verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung auch für Anlagen, Teile von Anlagen und Arbeitsmitteln, im vorliegenden Fall für Leitern im Betrieb, zu erstellen. Hierbei hat er mögliche Gefährdungen zu ermitteln, Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bzw. Gefahrenminderung eigenverantwortlich festzulegen und diese umzusetzen.

In die Erstellung der Gefährdungsbeurteilung sind die Technischen Regeln für Betriebssicherheit - TRBS, neben der TRBS 1111 "Gefährdungsbeurteilung und sicherheitstechnische Bewertung", insbesondere die TRBS 2121 Teil 2 "Gefährdungen von Personen durch Absturz - Bereitstellung und Benutzung von Leitern", das berufsgenossenschaftliche Regelwerk, wie z. B. die DGUV Vorschrift 1 "Grundsätze der Prävention", die DGUV Information 208-016 "Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tritten" (siehe hier insbesondere Kapitel 3.1 "Nach welchen Kriterien sind Leitern und Tritte auszuwählen?"; u. a. Wahl, ob Sprossen- oder Stufenleitern in Abhängigkeit von der Benutzungsdauer) sowie die Gebrauchs-, Betriebs- bzw. Bedienungsanleitungen der im Betrieb eingesetzten Leitern einzubeziehen.

Abweichungen von den TRBS und/oder vom "Technischen Regelwerk" der berufsgenossenschaftlichen Vorschriften bzw. von den Vorgaben in der/den Gebrauchs-, Betriebs- bzw. Bedienungsanleitung/en der/s Hersteller/s der eingesetzten Leitern im Betrieb sind grundsätzlich möglich, müssen aber in der Gefährdungsbeurteilung hinreichend dokumentiert werden. Da im Schadensfall solche Abweichungen oft sehr kritisch hinterfragt werden, empfehlen wir, solche Abweichungen im Vorfeld mit der zuständigen Arbeitsschutzbehörde und/oder dem zuständigen Unfallversicherungsträger abzustimmen.

Das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist gemäß § 6 ArbSchG hinreichend zu dokumentieren. Bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung kann sich der Arbeitgeber durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Betriebsarzt unterstützen lassen.

Hinweise:
Auf die DIN EN 131-1 "Leitern - Teil 1: Benennungen, Bauarten, Funktionsmaße" sowie die DIN 4567 "Leitern - Bemessungsgrundlagen für Leitern für den besonderen beruflichen Gebrauch " weisen wir hin.

DIN-Vorschriften können Sie kostenpflichtig beim Beuth-Verlag erhalten.