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Kann ein Zusammenhang zwischen der Erkrankung an Leberzirrhose und der Beschäftigung in einer Verzinkerei bestehen?

KomNet Dialog 2537

Stand:

Kategorie: Gesundheitsschutz > Berufskrankheit, Berufsunfähigkeit > Medizinische Zusammenhänge

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Frage:

Patientin mit einer Leberzirrhose unbekannter Äthiologie. Beruflich längere Zeit Arbeit in einer Verzinkerei. Nach Patientenangabe auch Arbeiten mit Blausäure oder? Schwefelsäure. Ist eine Assoziation der Lebererkrankung mit der Schadstoffbelastung möglich?

Antwort:

Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen einer Leberzirrhose und der Tätigkeit in einer Verzinkerei ist nicht anzunehmen.

Das Verzinken gehört zu den galvanischen Beschichtungsverfahren. Beim cyanidischen Verzinken wird Zink galvanisch aus einem Elektrolyten, hergestellt aus Zinkoxid, Kaliumcyanid und Natriumhydroxid abgeschieden. Die Aerosolbildung - und damit die Belastung der Atemluft – ist verfahrensbedingt gering. Auswertungen aus der MEGA-Datenbank (Messdaten zur Exposition gegenüber Gefahrstoffen am Arbeitsplatz) von zehn Berufsgenossenschaften im Zeitraum von 1993 bis 2000 ergaben beim Verzinken, dass der 95%-Wert für Cyanide und Cyanwasserstoff unter einem Zehntel der Grenzwerte liegt. Eine dauerhaft sichere Einhaltung ist bei diesem Verfahren anzunehmen. Unter bestimmten Bedingungen muss aber mit der Bildung von kritischen Cyanwasserstoffkonzentrationen in der Luft am Arbeitsplatz gerechnet werden.

Cyanwasserstoff (HCN) wird rasch über die Atemwege und durch die Haut resorbiert und kann in Abhängigkeit von der Konzentration eine lebensbedrohliche Vergiftung bewirken. Bei Vergiftungen, die nicht sofort zum Tode führen, treten Reizungen der Atemwege und der Bindehaut, Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Atemnot und Störungen des Seh- und Hörvermögens auf. Beim Überstehen einer Cyanwasserstoff-Vergiftung bleiben in der Regel keine Schäden zurück. In seltenen Fällen können nach längerfristiger Exposition gegenüber niedrigen HCN-Konzentrationen chronische Vergiftungen auftreten, die durch neurovegetative und funktionelle kardiovaskuläre Störungen charakterisiert sind. Die Entwicklung einer Leberzirrhose wurde bisher nicht beschrieben.

Schwefelsäure hat in erster Linie eine Reiz- und Ätzwirkung auf Schleimhäute und Haut. Bei chronischer Einwirkung kann es zu einer chronischen Reizung der Augen- und Atemwege sowie zu Hautschädigungen und Zahnerosionen kommen. Die Entwicklung einer Leberzirrhose wurde bisher ebenfalls nicht beschrieben.

Ausführliche Informationen zur akuten und chronischen Toxizität finden sich in der Stoffdatenbank GESTIS der gewerblichen Berufsgenossenschaften unter http://www.hvbg.de/d/bia/fac/stoffdb/index.html .

Stand: April 2004