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Ist eine Farbsinnstörung ein Ausschlusskriterium für eine Ausbildung von IT-System-Elektronikern und IT-System-Kaufleuten?

KomNet Dialog 252

Stand:

Kategorie: Gesundheitsschutz > Arbeitsmedizinische Vorsorge > Konsequenzen aus Befunden

Dialog
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Frage:

In der beruflichen Rehabilitation werden in Berufsförderungswerken IT-System-Elektroniker und IT-System-Kaufleute ausgebildet. Bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit wird u.a. auch als Eignungskriterium die Farbtüchtigkeit beurteilt. Da beide Ausbildungsrichtungen gemeinsame Kernqualifikationen haben - aber unterschiedliche Tätigkeitsbereiche im späteren beruflichen Einsatz - sind in der berufskundlichen Literatur, z.B. im „Systematischen Handbuch der Berufe - Berufsprofile für die arbeits- und sozialmedizinischen Praxis“, unterschiedliche Angaben über die Farbsinnstörung beschrieben. Bei den einzelnen Ärztlichen Diensten der Berufsförderungswerke gibt es hierzu unterschiedliche Aussagen. Frage: Ist eine Farbsinnstörung ein Ausschlusskriterium für eine Ausbildung von IT-System-Elektronikern und IT-System-Kaufleuten?

Antwort:

Es gibt unterschiedliche Farbsinnstörungen: Bei Männern (seltener bei Frauen) tritt am häufigsten eine Rot-Grün-Störung auf (seltener sind Blaustörungen). Es gibt allerdings auch andere funktionale Störungen, die möglicherweise auch zur Farbsinnstörung beitragen, z.B. Sehnervstörungen, Retinopathie, Makuladegeneration, Trübungen von Augenmedien.

Wenn man von einer Rot-Grün-Störung ausgeht, können folgende Schlußfolgerungen gezogen werden:

Ein IT-System-Elektroniker findet manchmal Bauelemente vor, deren Funktion farbig codiert ist. Eine Verwechslung, vor allem bei eingeschränkten Leuchtdichten (z.B. im Geräteinneren), kann den Erfolg der Arbeit verhindern und ggf. auch zu Gefährdungen für den Beschäftigten selbst und für Dritte führen. Daher könnte eine Farbsinnstörung in einem solchen Fall als Ausschlusskriterium angesehen werden.

Wenn es sich um einen IT-System-Kaufmann handelt, wird eine Rot-Grün-Störung kompensierbar sein (z.B. bei PC-Arbeiten könnten Rot-Grün-Kombinationen sich durch Leuchtdichtekontraste unterscheiden lassen oder sind mit Text-/Zeichenerklärungen unterlegt). Einkaufs-/Verkaufsgespräche lassen sich auch ohne eine spontane Erkennung von Rot/Grün führen. In einem solchen Fall kann die Rot-Grün-Störung kaum als Ausschlusskriterium angesehen werden.

Hinsichtlich dieser arbeitsrechtlichen Fragestellung ist zu empfehlen, sich zusätzlich an das Länderarbeitsministerium (Referat Arbeitsrecht), das Länderwirtschaftsministerium und/oder die Bundesanstalt für Arbeit zu wenden.

Stand: August 2000