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Ist es für die Mitarbeiter einer Talsperrenbewirtschaftung zumutbar, das Rohwasser einer Geschmacksprüfung zu unterziehen?

KomNet Dialog 2496

Stand:

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Belastungen durch Biostoffe > Gefährdungen, Belastungen (6.2)

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Frage:

Die neue Trinkwasserverordnung sieht die Kontrolle des Geschmacks im Trinkwasser vor. Ist es für die Mitarbeiter einer Talsperrenbewirtschaftung zumutbar, das Rohwasser einer Talsperre (welches z.B. mit Spuren von Fäkalien oder Krankheitserregern belastet ist) einer Geschmacksprüfung zu unterziehen. Wer trägt das Risiko einer Erkrankung und kann im Krankheitsfall (Durchfallerkrankungen, u.a.) der Arbeitgeber für den Verdienstausfall und sonstige Belastungen des Arbeitnehmers verantwortlich gemacht werden.

Antwort:

Das Rohwasser einer Talsperre kann hygienisch bedenklich sein und wird in der Regel vor Nutzung als Trinkwasser einer Aufbereitung (mindestens Filtration) unterzogen. Nach der Trinkwasserverordnung § 8 muss der Geschmack des Trinkwassers (nicht des Rohwassers) an den Entnahmestellen der Verbraucher, also im Trinkwassernetz, kontrolliert werden. Der Geschmack ist folglich gemäß Anlagen 4 und 5 zur TVO nach Aufbereitung des Trinkwasser zu prüfen. Eine Prüfung des Geschmacks des Rohwassers wäre aus hygienischer Sicht nur vertretbar, wenn zuvor mikrobiologische und chemische Untersuchungen des Rohwassers aus Oberflächengewässern durchgeführt wurden und die Ergebnisse unbedenklich wären. Bezüglich der Anspruchsgrundlage ist folgendes anzumerken: Eine direkte Anspruchsgrundlage des Mitarbeiters gegenüber dem Arbeitgeber ist nicht gegeben. Das wurde mit dem SGB VII ja bewusst ausgeschlossen, in dem die Unfallversicherungsträger für die Schäden aufkommen und ggf. den Arbeitgeber in Regress nehmen können. Im Mittelpunkt stand dabei, dass ein Mitarbeiter seine Ansprüche nur schwer gegen den Arbeitgeber durchsetzen kann und das Betriebsklima in einem solchen Fall nachhaltigen Schaden nehmen könnte. Stand: 22.03.2004